Teneriffa 2018


Freitag, 16.11.

Lange haben wir uns wachgehalten, um endlich im Bus nach Berlin die Augen zufallen zu lassen. Der Flug mit Sund Air, einer in Stralsund ansässigen Airline, ist ziemlich spartanisch, Essen und Getränke sind nicht inklusive, aber immerhin kann man die Beine ein wenig ausstrecken und unser Proviant reicht locker für 5 Stunden Flug.
Gleich am Flughafen in Teneriffa Süd finden wir die Autovermietung, bei der wir bereits von zu Hause aus unser Gefährt für die nächsten dreizehn Tage gebucht haben. Für spannende Momente sorgt die Dame hinterm Schalter, als sie meint, die schon weit gereiste und immer mühelos eingesetzte Visa Gold sei nur eine Prepaid Karte und somit nicht akzeptabel. Etwas verärgert rufen wir die Servicenummer an und lassen uns das Gegenteil bestätigen. Wenigstens kostet dies nun keine Roaminggebühren mehr. Als ein anderer Kollege uns weiter bedient, funktioniert plötzlich alles. Angesichts einiger verwirrender Ansagen von sonstigen Kosten und Kaution hoffen wir allerdings, dass das Bankkonto hinterher noch etwas vorhält. Wir übernehmen einen Opel Corsa und verlassen endlich am Nachmittag das Flughafengelände. Im nächsten Ort, eine Autobahnabfahrt weiter, kaufen wir ein und suchen erfolglos einen Baumarkt, um die Gaskartuschen für unseren Kocher zu besorgen. Für heute reicht es uns, wir fahren zurück und hinunter ans Meer nach El Medano. Hier lassen wir das Auto auf einem kleinen Parkplatz zurück, genießen das erste Urlaubsbier mit Blick aufs Meer und die zahlreichen Surfer, die hier ideale Bedingungen finden. Des einen Freud ist des anderen Leid, und so trotzen wir dem frischen Wind in den hinteren Reihen eines Restaurants, wo das Essen nicht sofort auf dem Teller erkaltet. Zum Schlafen laufen wir hinter den offiziellen Strand, finden ein windgeschütztes Plätzchen und beenden den Abend bei einer Flasche Rotwein gemütlich mit Schlafsack und Isomatte unter dem Sternenhimmel.


Samstag, 17.11.

Wir frühstücken auf einer Bank mit Blick auf die Bucht, trinken einen Kaffee auf der Promenade und lasen uns trotz beginnenden Regens das Bad im Meer nicht nehmen.
In die Berge zieht es uns wetterbedingt noch nicht gleich. In Las Cristianos finden wir in einem Supermarkt endlich die benötigten Gaskartuschen und auf dem Weg zum Hafen erwischt uns der Regen wieder. Etwas durchnässt retten wir uns in ein Fischrestaurant und lassen uns einen excellenten Schwertfisch schmecken.
Nun geht es in die Berge. Ein Tramper freut sich chipsessend über die Mitfahrgelegenheit bis Villaflor. Wir fahren weiter auf über 2100 Meter bei Las Lajas. Wir haben einige der meist sehr weit oben liegenden Camps vor der Reise gebucht.
Wanderung von Las Lajas
Wanderung von Las Lajas in Teneriffa
Die Zeltmöglichkeiten liegen meist hinter großzügig angelegten Picknickplätzen und sind kostenfrei, aber anmeldepflichtig.
Nicht weit hinter dem Camp haben wir einen weiten Blick bis zur Küste. Die Nacht wird kalt und wir und wir kuscheln uns in die Schlafsäcke.


Sonntag, 18.11.

Kaum lugt die Sonne heraus, kriecht dicker Nebel vor die wärmenden Strahlen und wir versuchen, uns auf alle erdenkliche Weise warmzuhalten. Ein paar Tassen Kaffee später greifen wir Rucksäcke und Wanderstöcke und steigen hinauf zum Kraterrand. Vom Weg abgewichen, erreichen wir nach einem steilen Anstieg durch den Pinienwald und über Geröll den Ausblick, der einem den Atem raubt.
Wanderung von Las Lajas
Wanderung von Las Lajas in Teneriffa
Wanderung von Las Lajas
Wanderung von Las Lajas in Teneriffa
Unter uns die Caldera und gegenüber der Gipfel des Teide. Um wieder auf den offiziellen Wanderweg zu gelangen, müssen wir nun über die Felsen klettern und ein ganzes Stück absteigen, um nach erneutem Aufstieg wieder die Aussicht auf den Teide zu genießen. Den Abstieg wählen wir auf dem einfacheren Wanderweg und sind am späten Nachmittag wieder am Camp Las Lajas. Da das Zelt am Morgen noch vereist war, packen wir es erst jetzt zusammen, um das nächste Camp anzusteuern. Zu unserem Leidwesen springt das Auto nicht an. Die Batterie hat wohl einen Kälteschock erlitten. Vielleicht hat das arme Mietwägelchen noch nie eine Nacht in frostiger Höhe verbringen müssen. Unser Retter in der Not ist ein junger Ranger, der uns Hilfe organisiert und einen der Grillfreunde, die am Sonntag zahlreich auf dem Picknickplatz unterwegs sind, dazuholt, der uns Starthilfe gibt. Das Auto läuft also wieder, und wir fahren erst einmal schön hochtourig bis zur Küste, um die Batterie aufzuladen. Nun leuchtet auch noch eine Reifenkontrolllampe. An einer Tankstelle pumpen wir auf und zack, leuchtet die Anzeige wieder und verlangt nun auch noch Luft auf die andere Seite. Das Auto ist nun versorgt und da es hier unten auch nur kalt ist, steuern wir unser Camp für heute auf etwa 1500 Metern an. Es sind kuschelige 7 °C und Sturm kommt auf.


Montag, 19.11.

Dicke Wolken empfangen uns am Morgen, aus denen es auch noch eiskalt nieselt. Hartnäckig versuchen wir unser Kaffeewasser zu kochen, da es aber lediglich heiß wird und nicht gewillt ist zu brodeln, werfen wir ein paar Teebeutel hinein und verzichten auf den Kaffee.
Die Ranger kommen und kontrollieren unseren Permit, den wir zum Glück vorweisen können, denn wir stehen statt auf dem Camp auf dem Picknickplatz. Wir können das jedoch mit dem Hinweis auf die nächtliche Dunkelheit mit strömendem Regen bei unserer Ankunft begründen.
Campingplatz Chio
Wanderung Caldera in Teneriffa
Bis das Zelt getrocknet ist, spazieren wir ein wenig herum und lassen die Blicke auf das Meer bis nach Gomera und auf einen Regenbogen schweifen. Überall hat sich die Lava ausgebreitet und bietet mit einigen Pinien ein skurriles kontrastreiches Bild. Ein Rabe beobachtet uns von einem Felsen aus, verlangt geradezu nach einem Leckerbissen, den er dann gnädig aufpickt. Unser Feigensnack ist aber auch unwiderstehlich und ein guter Wanderproviant.
Wir packen zusammen, freuen uns, dass das Auto anspringt und fahren in die Caldera, um ein paar Fotos von den beeindruckenden Lavafeldern zu machen.
Wanderung von Chio
Santiago de Teide
Unterwegs zum nächsten Übernachtungsplatz rasten wir in Santiago de Teide und wählen im Restaurant El Patio den Fisch des Tages. Dies ist heute Thunfischsteak, dünn geschnitten, dafür aber tellergroß und absolut lecker zubereitet. Die Lebensmittelläden machen Siesta, die Zeiten sind vermutlich nach Lust und Laune, man kann nur warten. Der kleine Minimarkt öffnet dann doch 16 Uhr wieder und so können wir uns noch mit dem nötigsten versorgen. Das für heute gebuchte Camp liegt wieder auf etwa 1000 Meter Höhe. Von der Straße führt der Weg durch Lorbeerwald, bis wir auf einen großen Parkplatz gelangen. Der Rastplatz hat alles, was man für einen Gruselfilm braucht. Alles ist aus dunklen Lavasteinen gebaut, die mit Moos überwachsen sind. Nebel lässt keinen Sonnenstrahl auf den Platz, der menschenleer ist. Die Sanitäranlagen sind abgeschlossen und wo man hier zelten kann, erschließt sich uns nicht wirklich. Dabei war dieser Platz im Internet als ausgebucht gekennzeichnet und wir hatten eher mit Trubel gerechnet als mit Totenstille. Statt ausgebucht ist der Platz aber wohl eher gesperrt, aber so oder so nicht so recht verführerisch. Also buchen wir um auf ein Camp in Dorfnähe, wo wir auch eine offene Kneipe finden, in der wir den Abend verbringen und per TV von den Überschwemmungen nach starken Regenfällen auf La Palma erfahren. Weit weg ist das nicht von hier.


Dienstag, 20.11.

Bis zu den ersten Sonnenstrahlen frieren wir vor uns hin. Als wir dann loswandern, pellen wir uns aus. In San Jose de los Llanos steigen wir hinauf, zuerst durch alte Felder, wo wir wilden Fenchel in die Nase bekommen und gleich einige Samen sammeln. Dann beginnt der Wald, es geht weiter bergauf bis sich plötzlich vor uns ein phantastischer Ausblick auftut.
Wanderung zum Vulkan Chinyero
Pinienwald zum Montana Negra
Montana Negra
Wir stehen direkt am Rande eines großen Lavafeldes und blicken auf den Vulkan Chinyero, der genau vor 109 Jahren diese schwarze Wüste schuf. Der Wanderweg führt mitten durch die erstarrte Lava und entführt uns in eine bizarre Steinwelt. Weiter wandern wir durch Pinienwald zum Montana Negra. Auf dem dunkelbraunem Granulat, das den Vulkankegel weiträumig umgibt, leuchten die wenigen Pinien als hellgrüne Farbtupfer. In ihren Nadeln haben sich lange hängende Flechten gebildet.
Der Abstieg führt uns wieder durch dichteren Wald mit Koniferen und Lorbeer, immer liebevoll geräumt und mit Vulkansteinen eingefasst. Zahlreiche Eidechsen sonnen sich hier und huschen schnell zwischen die Spalten, wenn sie sich entdeckt fühlen.
Nach der Wanderung steigen wir in unser Gefährt und fahren weiter nach Norden durch dicht besiedeltes Gebiet. Am Camp de la Caldera lassen wir das Auto zunächst stehen und landen auf der Suche nach einem Restaurant schließlich unten im Dorf, wo allerdings alle gerade schließen, obwohl es gerade erst 17 Uhr ist. Irgendwo bekommen wir noch Bier, zu essen gibt es nichts, der Wirt will auch gerade gehen, wir können aber noch auf der Terrasse bleiben. Mit hungrigem Magen klettern wir im Dunkeln wieder hinauf, schlagen ziemlich fertig unser Lager auf und werfen den Kocher für ein Mahl aus Fadennudeln an.


Mittwoch, 21.11.

Während das Kaffeewasser sich Zeit lässt, packen wir das Zelt zusammen, frühstücken dann und genießen die ersten Sonnenstrahlen beim Wandern. Gefühlt geht es pausenlos steil bergauf, dafür aber mit weiten Aussichten auf den Teide, die Stadt unter uns und das Meer.
Aeonium
Wanderung von Camping La Caldera
Meist folgen wir uralten Wegen, die zum Teil gemauert wurden. Es muss viel Kraft und Zeit gekostet haben, diese Arbeit zu verrichten, nur um zu Süßwasser zu kommen bzw. hier oben die Felder zu bewirtschaften.
Der offizielle Abstieg führt über eine Forststraße, auf der wir in knapp 10 Kilometern am Ziel wären. Mit einigen steilen Abkürzungen sparen wir uns fast die Hälfte davon und sind froh, nach dieser doch etwas anstrengenden Tour den Parkplatz wieder zu erreichen. Nebel zieht auf und es beginnt zu regnen. Wir fahren mitten in die Regenfront und sehen fast nichts mehr. Es gießt in Strömen und hört einfach nicht mehr auf. Unser gebuchtes Camp Las Raices liegt wieder mitten im Wald auf 800 Meter Höhe, nicht gerade entspannend bei diesem Wetter. So lassen wir das Camp erst einmal außer acht und fahren hinunter nach Esperanza, wo wir einen Supermarkt finden und auch ein Restaurant, das uns vorerst einen trockenen Unterschlupf bietet. Kurz liebäugeln wir damit, uns ein Zimmer zu suchen, aber das Hotel nebenan ist verschlossen und die wenigen Angebote, die wir im Internet finden, sind nicht gerade in der Nähe. Also werden wir doch unser Zelt im Regen aufstellen.


Donnerstag, 22.11.

Der Morgen empfängt uns noch immer mit Regen. Wir wollen zum Lorbeerwald, etwa 30 Kilometer entfernt von hier. In Laguna verfahren wir uns im Gewirr der Einbahnstraßen und haben bestimmt alle Gassen gesehen, bevor wir wieder die Route weiter nach Norden in den Anaga Nationalpark finden.
Kanarienvogel
Lorbeerwald im Anaga Gebirge auf Teneriffa
Gerade als wir ankommen, wird der Regen heftiger. Aber wir haben den Zutritt zu diesem letzten Stück Wildnis gebucht und es werden pro Tag nur 20 Personen zugelassen. Gebucht ist gebucht, und so gehen wir in einer kurzen Regenpause los. Wir laufen in einem Bach, der sich auf dem Weg gebildet hat, werden klatschnass, aber der Wald ist sehenswert – urtümlich, bizarr und im Nebel gespenstig. Lange halten wir es dennoch nicht aus und fahren hinunter nach San Andrés, um wenigstens ein paar Sonnenstrahlen zu erhaschen. Der erste Anlaufpunkt ist natürlich ein Fischrestaurant, wo wir köstlich essen.
San Andrés auf Teneriffa
Regenfälle in San Andrés
Ein Regenbogen will uns die Schönheit des Regens zeigen, kurz blinzeln wir in die Sonne, um dann wieder von Schauer zu Schauer zu huschen. Das Städtchen ist dennoch unseren Ausflug wert, am Hang kleben die Häuser ineinander geschachtelt und mit Treppen verbunden, die einem Irrgarten gleichkommen. Von den Stufen fließt das Regenwasser in Sturzbächen hinab und sucht sich seinen Weg. Bevor wir wieder in die Berge fahren, trinken wir einen Kaffee, froh noch einmal draußen sitzen zu können. Schon auf dem Rückweg zum Camp bei Las Roses, wo wir schon die letzte Nacht verbrachten, gießt es wieder wie aus Kannen. Wir beschließen, die Nacht im Auto zu verbringen, machen uns eine Flasche Wein auf und lassen den Regen Regen sein.


Freitag, 23.11.

Als wir aufwachen, regnet es noch immer. Wir sehnen uns nach einem trockenen Plätzchen, fahren deshalb hinunter ans Meer und finden endlich in einem kleinen Ort, der vom Tourismus verschont geblieben ist, einen Zugang zu Meer, wo wir in der Sonne sitzend frühstücken und ein Bad nehmen. An dem wilden Strand übernachten wohl einige Leute, aber eine vorbeifahrende Streife lässt erahnen, dass dies wohl nicht unbedingt die beste Idee ist. Wir werden uns wohl wieder in die Berge verziehen.
auf dem Weg nach Güimar
Defender Pick Up
Vorher pausieren wir in Güimar, werfen von außen einen Blick auf die dort errichteten Pyramiden, die uns 18 Euro Eintritt jedoch nicht wert erscheinen. Lieber schlendern wir noch ein wenig durch den Ort und erfreuen uns an mehreren echten Oldtimern, in Form von alten Gefährten der Marken Land Rover und Toyota, die hier vermehrt auf den Straßen zu finden sind. Rechtzeitig erinnern wir uns der verbrauchten Vorräte und suchen nach einer Einkaufsmöglichkeit. Der Supermarkt, an dem wir zufällig vorbeikommen, befindet sich im Keller eines Hauses. Hier scheint es des öfteren zu regnen, denn am Eingang hängen lange Plastiktüten, in die man beim Einkauf seinen nassen Schirm stecken kann.
Der Weg zum Auto führt uns wieder an zwei gegenüberliegenden Kneipen vorbei, die schon seit Mittag außerordentlich gut besucht sind. Aus der Stadt herauszufinden ist gar nicht so einfach. Wir fahren dank der Einbahnstraßen mehrfach im Kreis, bevor wir endlich wieder auf der richtigen Route sind. Außerhalb wollen wir etwas essen. Das erste Restaurant bietet zwar die Gelegenheit, auf Toilette zu gehen, aber keiner fragt nach unserem Begehr. Die zweite Einkehr erweist sich als etwas überteuert. Wir bestellen einen Salat für 6 Euro und bekommen eine Avocado nebst geschmackloser Tomate serviert. Da ist uns der Norden kulinarisch deutlich besser dahergekommen.
Es geht wieder in die Berge hinauf, unterwegs sehen wir die Reste eines heute Morgen errichteten Schneemannes und sind froh, dass unser Camp Las Raices doch unter der 1000-Meter-Marke liegt. Dort angekommen, werden die Sandalen wieder gegen die Wanderschuhe getauscht und die warmen Klamotten übergeworfen. Es bleibt aber am Abend trocken, also kochen wir uns etwas und richten uns für eine kuschelige Nacht im Zelt ein.


Samstag, 24.11.

Eine trockene, aber eiskalte Nacht liegt hinter uns. Die Sonne schafft es nicht, die nötige Morgenwärme zu bescheren, ringsum stehen die Bäume zu eng. Im Auto drehen wir die Heizung auf. Wir fahren wieder in Richtung Teide, am Straßenrand liegen letzte Schneereste und die Berge sind weiß bekrümelt.
durch die Caldera am Teide in Teneriffa
Wanderung am Teide
Das Panorama ist beeindruckend. Keine Wolke am Himmel und nachdem wir auf fast 2500 Meter hinaufgestiegen sind, ist uns auch nicht mehr kalt. Beim Abstieg vertun wir uns erst einmal und müssen nun im weichen Vulkanschotter wieder hinaufsteigen. So wird aus der flüchtigen Idee „lass uns da mal hochgehen“ schon fast eine Halbtagswanderung. Heute sind etliche Leute unterwegs. An einigen Stellen in der Caldera findet sich kein freier Parkplatz mehr. Wir durchqueren das Lavagebiet und können von einer Anhöhe weit aufs Meer und auf die anderen Inseln blicken. Da Wochenende ist, sind die Preise an den Tankstellen gleich auf sagenhafte 1,05 Euro/Liter gestiegen. Gleich, ob Diesel oder Benzin. Unsere Anzeige weist uns noch über 100 Kilometer Reichweite aus, also werden wir später tanken. In Santiago de Teide essen wir, schlendern noch einmal durch das kleine Städtchen, das vermutlich erst in den 1990ern wiederbelebt wurde, und fahren dann nach oben, nach San José de los Llanos, wo wir bereits eine Nacht verbrachten. Heute hat die Zeltplatzkneipe auf und so gibt es erst einmal ein frisch Gezapftes, bevor sie dichtmachen und wir mit viel Glück noch im Dorf einkehren können. Die Nächte auf über 1000 Metern sind kalt, da freuen wir uns auf jede Gelegenheit, noch ein bisschen im Warmen zu sitzen. Vermutlich spricht man sich hier ab, wer wann aufmacht, heute ist es die Kneipe der Kirchgemeinde, idealerweise gleich neben der Kirche gelegen.
Kirchenkneibe in San José de los Llanos
Schmalzgebäck
Die hiesige kulinarische Köstlichkeit neben den alkoholischen Getränken besteht aus Hefeteig, der in einer Art überdimensionalen Fleischwolf geknetet wird und durch einen Auslaufhahn in eine Pfanne mit heißem Öl läuft, wo mit zwei Stangen kunstvoll große Schnecken geformt werden. Das Gebäck geht weg wie warme Semmeln und schmeckt wirklich lecker. Jedenfalls haben alle sehr viel Spaß dabei, und wir bekommen nach dem ersten bezahlten Teller noch zwei weitere nachgefüllt. Alle Erlöse scheinen der Gemeinde zugute zu kommen und so heißt es Saufen für den guten Zweck.
Wir begeben uns auf den Heimweg und finden die Bar am Picknickplatz noch für einen Absacker geöffnet.


Sonntag, 25.11.

Dank unseres dicken Piniennadelbettes unterm Zelt hatten wir eine Nacht mit Fußbodenheizung. Wir frühstücken an einem der Picknicktische und starten zu unserer Wanderung entlang des Camion de Aqua bergab durch alte Terrassenfelder und mit Sträuchern zugewachsene Wege, bis wir feststellen, daß wir nun wieder 700 Meter hinaufsteigen müssen.
zu den schwarzen Höhlen
zu den schwarzen Höhlen unterhalb von San José de los Llanos
Belohnt werden wir mit tollen Aussichten. Es geht durch knorrige Lorbeerwälder und auf wie Steingärten anmutenden Pfaden. Wir erreichen ein Dorf unterhalb von Los Llanos, wo wir eine Einkehr finden.
Dorf unterhalb von Los Llanos
Danach geht es nochmals steil bergauf und endlich haben wir unser Dorf erreicht. Die Kirchenkneipe hat wieder auf, und das Bier haben wir uns nun wirklich verdient.


Montag 26.11.

Unsere Fußbodenheizung unterm Zelt hat wieder ganze Arbeit geleistet, dafür muß man sich zum Frühstück warm anziehen. In Santiago de Teide tanken wir, bevor wir in Richtung Masca den Ort verlassen. Ein spanischer Tramper ist froh, dass wir ihn mitnehmen. Die ganze Strecke auf der Straße zu laufen, ist sicher nicht toll, auch wenn man phantastische Aussichten genießen kann. Er möchte die Masca-Schlucht begehen. Eigentlich ist diese gesperrt, aber da es nicht regnet, hat er hoffentlich eine sichere Wanderung. Er bedankt sich mit Süßigkeiten und wir fahren weiter nach El Palmar und hinauf nach Los Pedregales, zu unserem Camp für die nächsten zwei Nächte.
Masca Schlucht
El Palmar in Teneriffa
Endlich ein Platz mit Aussicht, schön auf Terrassen errichtet, mit überdachten Sitzbänken unter Palmen. Nur die Toiletten sind leider verschlossen, stattdessen gibt es eine Nottoilette.
Wir gehen einen alten Pfad hinunter ins Dorf, finden einen Laden, wo wir Brot kaufen können und auch ein Restaurant. Ein Rundweg führt uns rings um das Tal mit allerlei kulinarischen Köstlichkeiten am Wegesrand: wilder Fenchel, Kräuter, Kapuzinerkresse, Feigen und Kakteen. Hier wächst fast alles. Ein Hund begrüßt uns freudig und oben in einem kleinen Dorf lädt eine Bodega auf eine Rast ein. Beim Abstieg ins Tal kommt der Nebel wieder auf. Wir überbrücken die Zeit bei Bier und einem Imbiss, steigen zum Zeltplatz auf und lassen den Abend mit einer Flasche Wein ausklingen. Inzwischen ist es windstill und man kann noch angenehm draußen sitzen.



Dienstag, 27.11.

Bei strahlendem Sonnenschein frühstücken wir auf unserer Palmenterrasse und waschen uns unter freiem Himmel, bevor wir unsere Wanderung beginnen. Es geht steil bergauf. Hin und wieder queren wir die Straße, die sich am Hang hinaufschlängelt und nach Teno Alto führt, wohin uns auch unser Weg bringt.
Wanderung durch das Tena Gebirge
Wanderung durch das Tena Gebirge in Teneriffa
Von oben kann man über steile Hänge und Felsen zum Meer hinunterschauen. Im Dorf kehren wir kurz ein und steigen weiter hinauf mit Blick nach Westen, wo sich die Masca-Schlucht befindet. Der Fels ist hier gar nicht mehr vulkanisch, eher hellgrau wie Kalkstein. Über einen schmalen Grat geht es über den Gipfel, bevor wir links von uns wieder unser Tal erblicken. Der Weg führt bis an die Straße, wo wir einen steilen Pfad nach unten finden. Im El Palmar lassen wir uns eine leckere Paella schmecken, kaufen im Laden noch Brot und Wein und steigen wieder zum Zeltplatz hinauf.


Mittwoch, 28.11.

Zur Nordküste ist es nicht weit, aber die Straße schlängelt sich lang im Zickzack hinunter.
Garachico Kirchplatz
Garachico in Teneriffa
Die kleinen Küstenstädte im Nordwesten haben schöne alte Zentren, auch wenn man das im Vorbeifahren gar nicht so wahrnimmt. In Garachico machen wir halt und schauen uns die Stadt an, bevor wir wiederum nach oben fahren, vorbei an Stellen unserer Wanderung auf dem Camino de Aqua bei Los Llanos, bis Santiago de Teide, wo wir wiederholt einkehren, um leckeren Fisch zu essen.
Noch einmal fahren wir durch die Lavafelder, um auf die Südseite der Insel zu gelangen. Die Suche nach Nahrung kann in den kleinen Dörfern manchmal zum Abenteuer werden. Oft schließen die Lebensmittelläden gegen Mittag und öffnen erst um 17 Uhr wieder. Die Zeiten stehen natürlich nicht an der Tür, so dass man nie genau weiß, ob man nicht umsonst wartet. So auch hier oben im kleinen Dorf El Rio. Vielleicht nimmt der Ladenbesitzer gerade an der eben stattfindenden Beerdigung statt, für die sogar Polizeibegleitung zum Transport bis zum Friedhof bereitsteht. Im nächsten Ort Arrico haben wir mehr Glück. Wir finden alles, was wir noch brauchen und können direkt hinauf zum Camp fahren. Das gebuchte Areal liegt noch über einem anderen Platz, ist aber nur noch auf einem Waldweg erreichbar. Hmm…Mietwagen, kein Offroad erlaubt und wer weiß, wie weit hinauf es hier noch geht. Wir sind alleine und bleiben einfach auf dem Parkplatz, kochen ein schnelles Fadennudelgericht und verscheuchen zwei dreiste Katzen, die uns das Essen streitig machen wollen. Lange stehen wir noch draußen, nippen am Rotwein und schauen in den Sternenhimmel.


Donnerstag, 29.11.

Auf dem Weg nach Fuente del Llano
 Rastplatz bei Fuente del Llano in Teneriffa
Die Sonne weckt uns und zeigt, dass wir den richtigen Platz gewählt haben. Unten über dem Meer breitet sich eine dicke Wolkenschicht aus, über der wir schon die Wärme abbekommen. Nach Kaffee, Brot und Käse heißt es Sachen packen und für die Morgenwäsche zum Strand zu fahren.
Auf dem Weg zum Flughafen tanken wir, saugen die Waldreste aus dem Auto und finden auch noch einen offenen Supermarkt für unseren Reiseproviant. Die Autoübergabe funktioniert unkompliziert, bis auf das fehlende Dellen- und Kratzerprotokoll, wovon wir bei der Übernahme glücklicherweise ein Foto machten.
Zehn Euro kostet uns das Einchecken am Flughafen! So angenehm der Service auf der Insel war, insbesondere die kostenlosen Zeltmöglichkeiten, so wird an dieser Stelle ärgerlicherweise wieder zugelangt. Mit Verspätung heben wir ab und hoffen, unseren Bus in Tegel zu erreichen.
Autorin: Ines Krüger