Frankreich 2020

 

Ein schwieriges Jahr zum Reisen. Corona bringt alles durcheinander und lässt keine Planungen für den Urlaub zu. So wird es September, bis wir für drei Wochen unser Heim verlassen. Mit Auto und Zelt sind wir immerhin flexibel, um die Hotspots der Virusausbreitung zu umfahren und den auf uns zukommenden Schlechtwetterfronten zu entkommen. Um nach Frankreich zu kommen, muss man nur eine Grenze überwinden, es gibt viele Zeltplätze und herrliche Wandergegenden. Also auf nach Frankreich.

 

Samstag, 05.09.

Hund Juri ist sichtlich nervös und liegt auf der Lauer zwischen Taschen und Rucksäcken. ‚Hoffentlich vergessen die mich nicht!’.

Natürlich darf Hund mit und teilt sich ein wenig mürrisch die Rückbank im Auto mit unseren beiden Mitfahrern. So starten wir zu fünft unseren Trip nach Frankreich. Trotz zunehmender Corona-Virus-Fälle in den letzten Wochen, wollen wir dennoch nicht auf Urlaub verzichten und gehen davon aus, dass unsere Art zu reisen ein eher geringes Risiko darstellt, sich mit einem Virus zu infizieren.

Nach acht Stunden öder Autobahnfahrt erreichen wir unser erstes Ziel Riquewihr am Rande der Vogesen. Der mittelalterlich erhaltene Ortskern lockt uns und zahlreiche andere Touristen an. Zudem befinden wir uns in einer Weinregion und zahlreiche Lokale schenken reinen Wein ein. Wir lassen uns davon inspirieren, genehmigen uns zwischen Fachwerkambiente und schlendernden, maskentragenden Urlaubern eine Flasche Weißwein und geniessen unseren ersten Urlaubsabend. Knapp zwei Kilometer misst der Weg zurück zum Zeltplatz, wo wir den nächsten Tag planen.

  

Sonntag, 06.09.

Als nächstes Ziel haben wir uns das Jura ausgesucht. Die Fahrt nach Saint-Claude führt uns durch das Tal des Doubs. Der Fluss scheint fast still zu stehen. Schwäne und Reiher haben zwischen Steinen und Wasserpflanzen ihr Revier. Hier könnte man angenehm paddeln, wenn nicht zahlreiche kleine Wehre zum häufigen Umtragen nötigten.

In Saint-Claude steuern wir den „Camping le Martinet“ an und ergattern einen schönen Platz am Flussufer. Für das Brot zum Frühstück wird an der Rezeption gesorgt. Die nächsten drei Nächte werden wir hier residieren.

  

Montag, 07.09.

Die müden Knochen wollen bewegt werden. Also wandern wir los, zunächst einige hundert Meter die Chaussee hinauf, bis ein steiler Weg in den Wald abzweigt. Fas zwei Stunden geht es nur bergauf, bis wir auf eine kleine Strasse treffen. Es scheint, als sollte hier eine Art Sportstätte entstehen. Eine Wegschleife ist in Fusswegbreite in Asphalt gegossen und soll vielleicht ein Parcours für Inliner werden. Am Felsrand wurde das Areal planiert. Hier können sich Gleitschirmflieger wahlweise ins Tal oder in die querende Stromleitung stürzen.

Nach kurzer Rast suchen wir einen Weg für den Abstieg und finden einen Pfad, der natürlich erst einmal aufwärts führt. Das Gebiet scheint nicht sehr frequentiert zu sein, jedenfalls verfehlen wir immer wieder einen Abzweig. Dafür erreichen wir ungewollt einen schönen Aussichtspunkt. Juri findet für uns den richtigen Weg, der nun steil nach unten führt. Leicht kommt man hier ins Rutschen. Zwischen Geröll und Laub finden wir Halt an den noch festen herausschauenden Kalksteinfelsen und sind froh, dass es nicht geregnet hat. Der Pfad wird immer abenteuerlicher. Ein Stück hangeln wir uns an Ketten hinab – immerhin ein Hinweis, dass es doch ein offizieller Weg ist, auf dem wir uns befinden. Juri hingegen läuft mühelos bergab und schaut uns auffordernd an, nicht so zu trödeln.

Weiter unten tut sich eine Märchenwelt auf. Alle Bäume sind mit dichtem Moos ummantelt und lange Strähnen hängen wie Haare herab.

Der Bachlauf, den wir endlich erreichen, ist trocken. Die ausgewaschenen Felsen zeugen jedoch davon, dass es hier auch ordentlich zur Sache gehen kann. Noch weiter unten fliesst ein wenig Wasser und es gibt sogar kleine Brücken. Bald sind wir wieder im Ort und haben nun fast zwanzig Kilometer in den Beinen.

Während unsere Freunde mit Juri in Richtung Zeltplatz schwenken, um das Essen vorzubereiten, gehen wir noch einmal ins Zentrum, um für den Nachtisch zu sorgen. Mit ausreichend Rotwein kehren wir zurück und geniessen am Abend unsere wenigen selbst geernteten Kartoffeln mit knoblauchlastigem Zaziki.

  

Dienstag, 08.09.

Zum Ausruhen statten wir heute dem nahegelegenen Wasserfall in der Gorge de Flumen unsren Besuch ab. Nicht weit vom Zeltplatz beginnt das Tal. Ein leicht zu wandernder Weg führt flussaufwärts. Über uns fliegt ein Hubschrauber seinen Einsatz und stört ein wenig die Idylle. Fast wie zu Hause, denken wir. Dieser hier observiert allerdings nicht, sondern liefert das Baumaterial für die Sicherungsnetze, die die oben verlaufende Strasse schützen sollen.

Am Ende der Schlucht ergiessen sich zwei Wasserfälle. Dank Trockenheit geschieht das bescheidener, als man den Auswaschungen an den Felsen ablesen kann. Ein kleiner See lädt angesichts seiner Lage zum Baden ein. Das kalte Wasser schreckt uns jedoch davon ab. Nur Juri ist da anderer Meinung und springt beherzt hinein. Im klaren Wasser kann man die paddelnden Pfoten sehen. Das sieht wirklich lustig aus.

Am Nachmittag sind wir zurück, gönnen uns ein Eis und planen die nächsten Tage.

  

Mittwoch, 09.09.

An unserem nächsten Hauptziel Chamonix kündigt sich schlechtes Wetter an. So meiden wir zunächst dieses Gebiet und bleiben noch ein paar Tage im Jura, wechseln aber den Standort.

Unterwegs halten wir in einem kleinen Örtchen, um in einem typischen einfachen Strassencafé auf einen ebensolchen einzukehren. Nebenan ist ein kleiner Lebensmittelladen, der das nötigste bietet, dazu besteht der Ort aus einer Kirche und eng aneinander gepressten Häusern.

Ins Tal der Valserine gelangen wir über eine kleine Strasse mit einem Hauch Offroadfeeling. Nach einer kleinen Wanderung folgen wir der Strasse, biegen nach wenigen Kilometern wieder auf eine Departementstrasse ab und sind nach einer kleinen Pause bald am Camping Domaine les Georennes, wo wir für zwei Nächte nun die Zelte aufschlagen.

  

Donnerstag, 10.09.

Baguette und Croissants werden uns vom Chef direkt zum Tisch geliefert. Der perfekte Service am Morgen.

Wir fahren zur nächsten Stadt Bellegarde um einzukaufen. Gleich neben dem Städtchen liegt ein Naturparadies. Entlang der Valserine wandern wir zu les Pertes de la Valserine, wo sich der Fluss zwischen einer tief eingegrabenen Schlucht versteckt, dann wieder langsam und breit dahinfliesst und in früheren Zeiten als Quelle für Mühlen und Energiegewinnung galt. Der gleiche Weg führt uns zurück und am späten Nachmittag sind wir wieder im Camp. Der Wetterpoker geht weiter. Wir beobachten das Gewittergeschehen rund um Chamonix und buchen zunächst eine weitere Nacht auf diesem schön gelegenen Platz. Am Abend grillen wir und geniessen einen weiteren gemütlichen Urlaubsabend.

  

Freitag, 11.09.

Nach unserem ausgiebigen Sonnenfrühstück starten wir zu einer kleinen Wanderung, die zu einem alten Almhof führt. Am Rande der Weide machen wir Rast und lassen die Blicke über die über der Schlucht aufragenden Felsen schweifen. Dabei plagen uns fiese Stechfliegen, die mangels Kühen uns zu ihren Opfern machen.

Es ist heiss und der steile Aufstieg zurück zum Camp fordert ordentlich Schweiss und Beinkraft. Da es gerade erst Mittag ist, betrachten wir dies als Aufwärmrunde und starten erneut zu einer zweiten Runde, die uns zunächst zum Dorfrand führt, dann in eine kleine Schlucht, die geradezu märchenhaft wirkt. Die Wege sind nicht leicht zu finden, irgendwann geht es steil bergab und wir sind im Tal der Valserine. Eine Brücke führt hinüber, eine kleine Strasse hinauf und parallel zum Fluss gelangen wir zum Pont du Dragon. Ans Wasser kommen wir hier leider nicht heran, so dass das ersehnte Bad im Fluss ausfallen muss. So machen wir auf der alten Steinbrücke Rast und müssen nun noch etwa vierzig Minuten steil bergauf steigen. Oben treffen wir auf die Strasse und auf einen alten Eisenbahntunnel, der nun als Wanderweg fungiert. Bis 1937 fuhr hier eine elektrische Strassenbahn, die die Wanderfreunde in die Berge brachte.

Bald sind wir in Champfromier, kaufen im kleinen Markt Bier und Wein, steigen den Hügel hinauf und lassen uns das gut gekühlte Bier mit Aussicht die Kehlen kühlen. Mit einem leckeren Essen leiten wir unseren letzten Abend auf diesem sehr schönen Camp ein.

  

Samstag, 12.09.

Wir verabschieden uns vom Jura und tauchen ein in die hohen Berge der Alpen. Bald leuchten die ersten schneebedeckten Gipfel in der Ferne und wir nähern uns Chamonix.

Die Zufahrt zum Campingplatz führt durch einen kleinen engen Tunnel, irgendwie hatte ich das anders in Erinnerung und es wird sich herausstellen, dass dies nicht das citynahe Camp ist. Der Platz ist trotzdem perfekt. Vom Camping les Marmottes haben wir freien Blick auf das Mont Blanc Massiv.

Zu Fuß in die Stadt dauert es länger als erwartet. Die öffentlichen Verkehrsmittel stünden uns zwar kostenfrei zur Verfügung, nur fahren dank Baustellen die Busse nicht da, wo das Haltestellenschild es erwarten ließe.

In der Fußgängerzone von Chamonix besteht Maskenpflicht, die auch durch die Polizei kontrolliert wird. Uns steht der Sinn nach gutem Essen und nach langer Suche können wir uns auch endlich für ein Restaurant entscheiden. Wir finden einen Tisch in der Außenreihe der Freisitzfläche und genießen unser Essen und den Blick auf die Berge. Wir finden einen Rückweg, der ein Stück durch den Wald führt und sind kurz vor Sonnenuntergang zurück auf dem Camp.

  

Sonntag, 13.09.

Der zwar kostenlose, aber nicht verkehrende Bus zwingt uns zu einer morgendlichen Anwanderung von 4 Kilometern bis zur Talstation der Seilbahn. Die tausend Meter Aufstieg bis Planpraz sparen wir uns und starten so in ausreichender Höhe unsere Tour. Diese sollte uns eigentlich zur Hütte la Flegère führen. Falsch abgebogen und immer den anderen Wanderern folgend, steigen wir jedoch immer höher und sind schließlich in 2400 Meter Höhe fast am Lac Noir. Murmeltiere grüßen aus allen Richtungen, neugierig die bunten Figuren beobachtend, die sich durch ihr Terrain begeben.

Wir haben das beste Wetter und super Sicht auf das Mont Blanc Massiv. Gleitschirmflieger sorgen für bunte Punkte am Himmel. Der Abstieg führt eine schwarze Skipiste hinab, die schon beim Wandern nicht angenehm ist. Skifahren würden wir auf keinen Fall hier herunter. Es geht steil in Serpentinen hinab, und wir sind froh, die Talstation wieder zu erreichen. Noch erfreulicher ist die Tatsache, dass es hier eine Bar gibt. Eiskaltes Bier ist, so finden wir, genau das Richtige, um für den Heimweg gut gerüstet zu sein. Für diesen wählen wir wieder den Waldweg, statt die Straße, und so werden zwei Schirmpilze zu unseren Opfern und landen als Topping zu Reis und Bohnen in der Pfanne.

  

Montag, 14.09.

Weiter geht es westwärts. Wir haben uns als nächste Station das Massiv de Chartreuse, nördlich von Grenoble, ausgesucht. Dank diverser Straßensperrungen müssen wir kleine Umwege in Kauf nehmen, allein schon, um aus Chamonix herauszukommen. Unterwegs kaufen wir ordentlich ein und kämpfen mit der Technik eines Tankautomaten.

Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich ein schönes Camp in den Bergen mit dem Namen „La petit roche“. Die Rezeption ist nicht besetzt, auch kommt niemand um 17 Uhr, wie es ein Zettel an der Tür verheißt. Schließlich rufen wir an und entlocken mit spärlichem Französisch, dass wir uns einen Platz aussuchen können. Auf einer Wiesenterrasse haben wir nun eine tolle Aussicht auf das Massiv mit dem „Dente de Crolles“, einem sehr markantem Felsen in Form eines Zahnes.

  

Dienstag, 15.09.

Ein Tag zum Ausruhen und Wäschewaschen. Eine kleine Rundtour wollen wir dennoch machen und laufen einen Hügel hinter dem Zeltplatz hinauf. An der Felskante bereitet sich ein Drachenflieger auf seinen Start vor. Wir beobachten die Szenerie und zollen dem mutigen Flieger, der vor Nervosität eine nach der anderen raucht, unseren Respekt. Nachdem er seine Zigaretten für die Landung sorgfältig verstaut hat, stürzt er sich mit seinem Fluggerät in die Tiefe. Sein Kumpel muss nun mit dem Auto hinterher und wird wahrscheinlich länger brauchen, um den Landepunkt zu erreichen.

Ein schmaler Weg führt an der Felskante entlang und immer wieder bieten sich grandiose Aussichten. Über uns fliegen statt der auf den Hinweistafeln am Wanderweg gezeichneten Greifvögel moderne menschliche Vögel mit ihren Gleitschirmen.

Das Dorf ist ziemlich verschlafen, abgesehen von der Gleitschirmbasis ist gerade alles geschlossen. Es ist Mittagszeit. Wir machen Siesta auf dem Zeltplatz, planen die nächsten Tage und schauen weiteren Piloten zu, die vom über uns thronenden Massiv hinuntergleiten.

  

Mittwoch, 16.09.

Die Straße, welche in Richtung Grenoble wieder ins Tal führt, ist dank der Tour de France gesperrt. Der Umweg führt uns über den Col du Coq auf einer fast offroadanmutenden schmalen Straße hinunter ins Tal der Isère. Einige Orte zeugen hier vom Bergbau und dem dadurch entstandenen Reichtum in vergangenen Zeiten. Eine kurze Bahnstrecke mit niedrigen Tunneln begleitet uns. Auch die Straße führt durch im 19. Jahrhundert geschlagene Tunnel und unter Felsüberhängen hindurch. Im Tal auf dem Weg  in Richtung Valence gedeihen uralte Walnussplantagen. Es ist noch nicht die Zeit der Ernte, daher müssen wir auf den wohligen Geschmack frischen Walnussöles verzichten, das sonst hier auf vielen Höfen verkauft wird.

Südlich geht es nun entlang der Rhône. Getrübt wird das schöne Landschaftserleben nicht nur durch Schnellstraße und Autobahn, sondern leider auch durch die in die Jahre gekommenen und dadurch noch bedrohlich wirkenden Atomkraftwerke von Montelimar und Pierrelatte. Im Urlaub sehnen wir uns nach schöneren Orten und finden sie bizarrerweise gleich um die Ecke im Tal der Ardeche. Für heute reicht uns die Fahrerei bei über 30 °C und wir lassen uns in Saint-Martin-d’Ardeche nieder, nachdem wir auf der Suche nach einem Camp gleich zweimal die einzige Überquerung des Flusses über eine extrem schmale alte Hängebrücke getestet haben.

 

Donnerstag, 17.09.

Unser Weg führt heute zu Fuß über die Brücke ins Dorf Aiquèze, einem mittelalterlich anmutenden kleinen Ort mit engen Gassen und im typischen Bruchsteinambiente erbaut. Hier startet ein Wanderweg mit tollen Aussichten ins Tal der Ardeche. Am Weg wachsen verschiedene Wacholder- und Thymianarten. So kann der Urlaub noch lange in der heimischen Küche nachhallen.

Bald wird es uns zu heiß. Während wir umkehren, marschiert Uwe noch auf den nächsten Hügel. Wir erwarten ihn bei einem kühlen Bier am Ortseingang. Zurück auf dem Zeltplatz sorgt ein Bad in Fluss für Abkühlung. Dann kochen wir, machen nach dem Essen noch einen Spaziergang durch Saint-Martin-d’Ardeche, kaufen uns ein paar Bier und genießen die Abendstimmung am Flussufer.

 

Freitag, 18.09.

Etwas oberhalb des Tales wollen wir noch einmal zelten, immer auch die aktuelle Wetterlage im Blick, denn allmählich verschlechtert sich das Wetter von Westen her.

Von der Straße aus gibt es unterwegs immer wieder lohnende Aussichtspunkte auf die Gorge de l’Ardeche. Wir wählen schließlich einen Zeltplatz am Fluss. Hier lässt man sich die Lage bezahlen, und hat im Gegenzug auf Investitionen in letzter Zeit großzügig verzichtet. Dafür finden wir ein Stück flussaufwärts eine steinige aber herrlich gelegene Badestelle mit Blick auf die Porte l’Arc, eine natürliche Felsenbrücke, die der Fluss hier in einer Biegung geformt hat.

Am Abend ist es noch immer sehr warm und einladend für das eine oder andere Glas Rotwein. Eine Etage höher streiten sich lautstark ein paar schwer alkoholisierte Camper bis weit in die Nacht hinein.

  

Samstag, 19.09.

Regen zieht auf. Wir müssen wieder nordwärts ziehen, um der Schlechtwetterfront zu entfliehen. An der Felsenbrücke machen wir noch einen Fotostopp. Nebenbei beobachten wir die zahlreichen Paddler, die in den Stromschnellen mehr oder weniger gute Figuren machen.

Auf unserer weiteren Fahrt beginnt es zu regnen und hört einfach nicht wieder auf. Auch an unserem erhofften trockenen Ziel in Bourg-Argental schüttet es nun pausenlos. Die Chalets auf dem Campingplatz sind nicht verfügbar, also suchen wir nach einer Alternative. Dank Booking.com finden wir im Ort eine Ferienwohnung. Die Vermieter sind sehr nett, kommen extra schnell mit dem Auto vorbei, um die Betten zu beziehen und uns in Empfang zu nehmen. Die Wohnung befindet sich in einem alten Haus direkt an der Straße, von der man dann auch gleich im Wohnzimmer steht. Hinten gibt es einen kleinen gemütlichen Garten, auf dessen nasses Ambiente wir aber auch nachdem der Regen endlich aufhört verzichten. Stattdessen kochen wir uns ein kleines Mahl und genießen frisch von einem Parkplatz gepflückte Feigen mit Honig.

  

Sonntag, 20.09.

Niels hat Geburtstag und bekommt ein tolles Frühstück nebst Geschenk und einem Geburtstagsständchen serviert.

In einer kurzen Regenpause packen wir das Auto und flüchten weiter nordwärts. In Clairvaux-les-Lacs haben wir endlich ein trockenes Plätzchen erreicht. Gegen Abend wollen wir zur Feier des Tages Essen gehen, aber alle Restaurants sind geschlossen. Lediglich ein Pizzaladen öffnet am Abend sein Geschäft für Pizza zum Mitnehmen. In eine dicke Jacke eingewickelt bleiben die Pizzen bis zum Zeltplatz warm und wir lassen uns unseren Rotwein dazu munden. Rechtzeitige Regenvorkehrungen erweisen sich als gute Idee, die Wolken holen uns auch hier wieder ein.

 

Montag, 21.09.

Vorerst bleibt es trocken und wir können sogar eine kleine Wanderung wagen. Ein sehr abwechslungsreicher Weg führt an einem Klettergarten vorbei bergauf bis zu einem Aussichtspunkt, von dem man die beiden Seen, den Grand Lac und den Petit Lac, überblicken kann. Weiter geht es durch Wald, Wiesen und Weiden. Am Abfluss des Petit Lac stören wir ein paar Fasane, denen wir einen schönen Pausenplatz streitig machen. Auf dem Zeltplatz zurück zieht ein heftiges Gewitter auf, dem wir unter der Plane zu trotzen versuchen. Der unmittelbar vor uns liegende See ist plötzlich nicht mehr zu sehen und Hagelkörner fallen mit den Wassermassen zu Boden. Lange bleiben wir nicht trocken, aber auch dieser Regen geht vorbei. Der nun heute geplante Restaurantbesuch fällt sprichwörtlich ins vorangegangene Wasser. Nur mit Vorbestellung, wie uns der mürrische Kellner mitteilt. Verärgert stellen wir fest, dass auch unsere Weinreserven nicht für den Abend reichen werden und sind froh, dass der Laden im Dorf noch geöffnet ist. Inzwischen kochen die Kartoffeln auf dem heimischen Campingkocher.

 

 Dienstag, 22.09.

Der Regen kann uns mal! Nachdem wir die Zelte halbwegs getrocknet haben, packen wir und fahren gerade los, als es schon wieder zu pieseln beginnt. Die Wetter-App, die für unsere tägliche Planung unentbehrlich geworden ist, verheißt trockenes Wetter mindestens 200 Kilometer nördlich, also heißt es heute Strecke machen. Da ist jeder Stau hinderlich. Unserer bildet sich auf der Route Nationale, verursacht durch eine Verkehrszählung. Gleich darauf gibt es auf der Gegenspur kurz vor Nancy einen Auffahrunfall und einen noch größeren Stau. Gegen Abend sind wir endlich in Liverdun, einem kleinen Ort an der Moselle. Der Zeltplatz hat sogar ein kleines Restaurant, nun können wir endlich das Geburtstagsessen nachholen.

 

 Mittwoch, 23.09.

Liverdun liegt idyllisch an der Moselschleife auf einem Hügel. Der Ortskern besteht aus dicht aneinandergereihten kleinen Häuschen und bei einem Rundgang kann man allerlei über die Geschichte des Ortes erfahren. Mittendrin befindet sich ein gemauertes offenes Waschhaus, welches erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet wurde. Bis dahin mussten die Frauen die Wäsche bis zum Fluss schaffen, dort waschen und schließlich wieder auf den Berg tragen. Bis in die 2000er Jahre wurde das Waschhaus von einigen Bewohnern noch genutzt, vielleicht auch, weil es im Sommer einen schattigen Platz für ein gemütliches Schwätzchen unter Nachbarn bietet.

Interessant sind auch die Reste des Marne-Rhein-Kanals, der mittels eines Tunnels das Städtchen unterquerte.

An der Mosel machen wir noch eine Wanderung bis zur nächsten Überquerung, einem Wehr mit Schleuse. Augenscheinlich wird diese aber nicht mehr genutzt. Auch der Moselradweg wechselt hier die Ufer. Leider ist ein großer Teil des Weges asphaltiert, eine Entwicklung, die den Radsport einseitig forciert und leider das Wandern immer unattraktiver macht. Erst kurz, bevor wir auf der anderen Flussseite wieder dem Ort näherkommen, gibt es einen schönen schmalen Waldweg am Flussufer.

Gerade als das Essen fertig ist, beginnt es wieder zu regnen. Der Schauer ist zum Glück rasch vorbei. Auch haben wir das Dachzelt verpackt, um es trocken nach Hause zu bringen, und das Bodenzelt steht bereits.

  

Donnerstag, 24.09.

Die allgemein schlechte Wetterlage macht es uns leichter, das Ende des Urlaubs zu akzeptieren. Es geht wieder nach Deutschland. Kaum bewegt man sich wieder auf einer deutschen Autobahn, beginnt der Stress mit Rasern, Dränglern und zahlreichen LKW’s. Für heute bleibt es bei wenigen Kilometern, bis wir in der Nähe von Baden-Baden einen Campingplatz ansteuern. Hier haben wir uns vorab ein Mobil-Home gesichert und damit eine regenfeste Bleibe, in der wir am Abend auf unsere Freunde warten.

Der Platz hat wenig von einem Zeltplatz, es gibt nicht einmal geeignete Flächen für echte Zelte. Vielmehr ist es ein Hüttendorf, hervorgegangen aus Wohnwagen von Dauercampern, die darum ganze Häuser zimmerten. Nicht wenige scheinen fest hier zu wohnen. Für eine Nacht schauen wir nicht so genau hin, ohnehin beginnt es mitten beim Grillen so zu schütten, dass wir auch auf der Veranda nass werden und ins Innere flüchten. Mit Rotwein und gutem Essen wird es ein gemütlicher Abend und wir freuen uns über das Wiedersehen.

  

Freitag, 25.09.

Wieder regnet es, und wir wollen nun einfach nur nach Hause. Unterwegs grübeln wir, wie das nun mit den Coronabestimmungen und den Risikogebieten zu bewerten ist. Auch wenn wir uns nicht in den Hotspots des Infektionsgeschehens aufgehalten haben und fast nur im Freien waren, waren wir doch in Provinzen, die auf der Karte rot leuchtend markiert sind. So planen wir für den nächsten Tag einen Coronatest ein.

  

Samstag, 26.09.

Der Tag danach.

Auch wenn wir wieder zu Hause sind, und der Urlaub vorbei ist, gehört dieser Tag doch noch irgendwie dazu. Die Internetrecherche nach einer Möglichkeit, sich auf das Virus testen lassen zu können, ist ernüchternd. Man lässt also tatsächlich alle rückkehrenden Urlauber bis zum Flughafen fahren, wo sich das einzige Testzentrum Leipzigs befindet? Wir wollen das nicht so recht glauben und machen uns zunächst auf den Weg ins Krankenhaus St. Georg, das zumindest auf dem Weg zum Flughafen liegt, falls wir hier Ablehnung erfahren. Die Schranken an Ein- und Ausfahrt zur Klinik stehen offen, so dass wir erwartungsvoll auf das Gelände fahren. Verzweifelt suchen wir das Haus Nr. 12, das uns angeblich einem Test näherbringt. Als wir es endlich gefunden haben, sind wir schon mal klatschnass vom Regen. Um den Eingang zu finden, umrunden wir das ganze Gebäude, das zwar ringsum viele Türen aufweist, von denen aber Aufschriften unmissverständlich darauf hinweisen, dass es sich nur um Notausgänge handelt. Wir hätten einfach gerne eine Eingangstür! Als diese endlich gefunden ist und ein Angestellter uns freundlich aber bestimmt darauf hinweist, dass wir nur am Flughafen getestet werden „wenn ein Flugzeug landet“, fragen wir uns langsam, ob wir hier nicht im falschen Film sind. Ein Infizierter hätte auf dieser Odyssee sicher schon 10 Leute angesteckt. Also doch zum Airport. Der Regen lässt nicht nach und plötzlich stehen wir auch noch vor verschlossener Schranke. Ticket an der Einfahrt ziehen, geht ohne davor stehendes Auto leider nicht. Ans Telefon geht auch keiner, weder beim Hausmeister noch in der Zentrale. Am Zahlautomaten entdecken wir dann tatsächlich einen Notknopf und die herbeigerufene Stimme verheißt uns freie Ausfahrt.

Am Flughafen fahren wir gleich ins Parkhaus, um uns vor weiteren Durchnässungen zu bewahren. Am Testzentrum warten schon einige Leute, in einer halben Stunde öffnet es seine Pforten, nicht wie behauptet, erst wenn ein Flieger ankommt. Wir sind froh, rechtzeitig aufgetaucht zu sein, denn nach und nach wird die Schlange immer länger. Mit der Nennung eines der auf der Liste stehenden Risikogebiete hat man sich nun einen kostenlosen Test gesichert. Falsches Gebiet genannt, kostet es. Muss man nicht verstehen.

Nichts wie nach Hause, denken wir. Am Parkhaus suchen wir einen Bezahlautomaten. Weit entfernt von den parkenden Fahrzeugen, stehen diese in der Halle, nagelneu glänzend und ohne Funktion. Das zweite Parkdesaster an nur einem Tag lässt uns langsam an eine versteckte Kamera glauben. In der Abflughalle schließlich findet sich das einzige gangbare Exemplar und verschlingt ganze 7 Euro für dieses Abenteuer.

PS. Unsere Tests waren alle negativ.
Autorin: Ines Krüger