Türkei 2025

Ende Oktober beginnt das Schmuddelwetter in Deutschland, während das Thermometer in der Türkei noch tagsüber deutlich über 20 Grad anzeigt. Wir haben bereits die Flüge und einen Mietwagen vorgebucht. Und natürlich traditionell eine erste Nacht in Antalya.

Donnerstag, 23.10.
Nach einer durchwachten Nacht schleichen wir früh morgens um 3 Uhr zur S-Bahn, sind zügig am Flughafen und noch am Vormittag in Antalya. Seit dort alle internationalen Flüge am Terminal 2 ankommen, muss man noch mit dem Shuttlebus fahren, um die komfortable Fahrt mit der Straßenbahn zur Stadt zu nutzen. Eine Verlängerung der Hochtrasse, die anlässlich der Expo 2016 entstand, wäre zwar sicher nicht im Interesse der Taxifahrer, aber für individuell Reisende, die nicht mit Schildchen am Flughafen empfangen werden, eine angenehme Erleichterung. Wir besitzen seit einigen Jahren eine Antalyakart, die zu unserem Erstaunen immer noch funktioniert. Einfach mit Bargeld oder Karte aufladen und ab in die Bahn. Im Stadtteil Ismetpasa steigen wir aus und sind zehn Minuten später in der Altstadt. Hier gibt es neben Geldautomaten auch noch Wechselstuben, die insofern das Geldgeschäft transparenter macht, da man die Wechselkurse direkt sieht. Mit frischen Lira ausgestattet, genehmigen wir uns gleich noch ein Frühstück bei unserem Lieblingsbäcker, als es zu regnen beginnt. Schnell nutzen wir eine kurze Trockenphase, um die hundert Meter zur Pension zurückzulegen. Ein Gewitter hat sich in den Bergen festgehangen und verleidet uns die ersten Urlaubsstunden. Später wagen wir uns doch auf einen Spaziergang vor die Tür, laufen hinunter zum Meer, trinken Cappuccino an der Promenade, essen früh am Abend und lassen uns in der Felike Bar ein paar Biere schmecken. Als wir in die Pension zurückkehren, ist unser Freund und Besitzer auch endlich da und wir plaudern noch bis Mitternacht, bevor wir völlig müde ins Bett fallen.
Kappadokien
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Freitag, 24.10.
Am Morgen führt unser erster Weg zur Bäckerei, bevor wir die Sachen packen, noch einen Kaffee trinken und zur Straßenbahn laufen. Eine halbe Stunde Fahrt später steigen wir in Aksu aus und sollten nun nach 10 Minuten Fußweg bei der Autovermietung sein. Da wir unterwegs kein Datenvolumen zur Verfügung haben, hatte ich mir extra einen Screenshot mit der Wegbeschreibung gemacht, aber außer Gestrüpp und ein paar vereinzelten Wohnhäusern findet sich weit und breit keine Autovermietung. So irren wir eine Weile umher und entschließen und in unserer Verzweiflung, ein Taxi zu ordern. Eine gute Entscheidung, da wir fast zwei Kilometer fahren, bis wir endlich am Büro stehen. Schon stolpern wir in das nächste Problem. Die eine Kreditkarte wird nicht angenommen und die Ausweichkarte habe ich selbst mit einer neuen PIN versehen, die ich gerade durcheinander bringe und auf weitere Versuche verzichte, um einer Sperrung zu entgehen. Es ist einfach nicht der richtige Tag! Auf mein Bitten gibt der freundliche Herr uns jedoch die Möglichkeit, die Versicherung bar zu zahlen. Dieses Geld ist nun zwar verloren, dafür aber der Urlaub nicht. Wir sind nun stolze Lenker eines schnuckeligen Fiat Fiorino und können, nachdem wir den fast leeren Tank an der nahegelegenen Tankstelle gefüllt haben, endlich unsere Reise starten. Zunächst bleiben wir auf der Küstenmagistrale, dann biegen wir ab in die Berge, rasten in Beysehir für eine Pizza und den Einkauf und sind am Abend in Konya. Den vermeintlichen Zeltplatz am Stadtrand gibt es leider nicht, also parken wir das Auto am Rande einer Siedlung und beschließen, die Nacht im Auto zu verbringen. Nachdem wir mit dem Versuch scheitern, eine ordentliche Liegefläche in dem kleinen Kastenwagen herzustellen, wie wir es eigentlich bei Buchung genau dieses Autotyps erhofft haben, legen wir schließlich die Vordersitze um, betten die Isomatten und Schlafsäcke über die Schalensitze und müssen nun etwas unbequem die Nacht verbringen. Aber wir haben ein Schlummerbier und nachdem Hunde, Katzen und ein Fuchs sich vergewissert haben, dass wir in Frieden kommen, haben wir zumindest eine ruhige Nacht, bis der Muezzin der nahegelegenen Moschee uns wohl am Morgen wecken wird.
Kappadokien
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Samstag, 25.10.
Auf den Muezzin ist Verlass und mit Sonnenaufgang schälen wir uns aus dem Auto. Zum Frühstück gibt’s Brot, Käse und Wasser. Der Verkehr am Samstagmorgen ist noch relativ entspannt, aber besonders schön finden wir die Stadt nicht und wollen uns auch nicht weiter aufhalten, zumal wir hier keine Unterkunft gefunden haben. Außerhalb halten wir in Acigöl, einem kleinen Städtchen wo wir eine einfache, aber sehr authentische Pide-Bäckerei finden. Wir werden vom netten Chef mit Handschlag hereingebeten und bestellen uns zwei der frisch im Holzofen gebackenen Hefeteigschiffchen mit leckeren Füllungen. Sein Enkel schiebt die Teigfladen geschickt mit einem drei Meter langen Paddel in den Ofen und zieht sie nach wenigen Minuten wieder heraus. Die Pides sind mindestens einen Meter lang, genau wie die großen Brote, die die Familie ebenso in den Ofen schiebt. Serviert werden sie dann in handgerechte Stücke geschnitten, Tee bekommen wir gratis und das Lächeln der Familie sowieso. Um die Mittagszeit sind wir in Uchisar an unserem gebuchten Hotel, werden noch um etwas Geduld gebeten und nutzen die Zeit für einen ersten Spaziergang zur Uchisar Kalesi, einer der zahlreichen kleinen Burgruinen, gegraben in das Tuffgestein, die das Bild Kappadokiens bestimmen. Unser Zimmer liegt im ersten Stock mit einer großen Terrasse, von der wir direkten Blick auf die Burg haben. Am Abend suchen wir uns ein Restaurant im Stadtzentrum. Leider sind die Jungs hier nicht sehr pfiffig und bringen uns nur ein Essen und einen Tee, obwohl wir ja unübersehlich zu zweit sind und deutlich zwei Finger bei der Bestellung in die Höhe gestreckt haben. So dauert es, bis das zweite Essen kommt und natürlich zahlen wir hier auch gleich einen Touristenpreis der doppelt so hoch ist, wie in den Restaurants unterwegs. Einen gewissen Aufschlag in einer Touristenstadt kann man ja noch verstehen, aber dass man als Reisende deutlich mehr zahlen muss, als die Einheimischen, die doch im gleichen Restaurant das Gleiche essen, ist doch sehr ärgerlich, aber zum Glück nicht überall verbreitet.
Kappadokien
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Sonntag, 26.10.
Heute statten wir dem Liebestal einen Besuch ab. Das Tal liegt nördlich von Göreme. Wir finden am Beginn eines Wanderweges einen kostenlosen Parkplatz und bald sehen wir die ersten der imposanten natürlichen Stelen. Die durch Vulkanismus und späterer Erosion entstandenen Säulen sehen durch ihre obenauf stehenden Basalthüte wie Phalli aus und gaben dem Tal seinen Namen. Einst waren es Griechen, später die Römer, die die formbaren Felsen für sich nutzbar gemacht haben und, um nicht von Feinden entdeckt zu werden, ihre Behausungen in den weichen Tuffstein geschlagen haben. Diese Art zu wohnen hat sich in der gesamten Gegend verbreitet. Der Boden ist perfekt für den Weinanbau und überall findet man noch alte Reben mit herrlich süßem roten und weißen Wein. Manche Trauben sind in dieser Jahreszeit bereits zu Rosinen getrocknet. Wir naschen ordentlich davon und bereichern mit den Trauben unser Picknick aus Brot und Käse. Später kommen wir an einem Teestand vorbei, der ein paar zusammengezimmerte Sitzgelegenheiten bietet und ahnungslose Touristen mit seinen Preisen über den nicht vorhandenen Tisch zieht. Für einen kleinen Tee im winzigen Pappbecher einen Euro zu verlangen, ist schon dreist. Oberhalb des Tales gibt es einen Aussichtspunkt, zu dem eine Straße führt. An der Zufahrt steht ein Kassenhäuschen, also parken wir einfach davor und laufen zum Felsrand. Hier tummeln sich die üblichen Pferde- und Kameltreiber, Souvenirverkäufer und Fotografen. Wir genießen einfach die Aussicht, laufen zurück zum Auto und fahren nach Cavusin. Der kleine Ort bestand einst ebenfalls nur aus Höhlenhäusern, deren Ruinen noch gut erhalten sind. Eines dieser Häuser dient als kleines Museum und man kann sich zum Obolus von einem Euro einen Eindruck des Lebens darin holen. Das alte Paar, das hier sein eigenes Haus zur Schau stellt, ist sehr nett. Wir bekommen Tee und geröstete Getreidekörner, dürfen in alle Räume schauen und wenn es nach der Hausherrin geht, auch gerne etwas in ihrem Souvenirshop kaufen. Leider sagt uns das Angebot so gar nicht zu. Wir danken höflich und werden dennoch mit einem Lächeln verabschiedet. Wir steuern noch zwei weitere Orte an, Pasabag Vadisi und Zelve, aber da es schon später Nachmittag ist, sind wir nicht bereit, zwölf Euro für die kurze verbleibende Zeit auszugeben und schauen nur kurz von außen. Die Straße wird gerade neu gebaut, was aber viele Autofahrer nicht davon abhält, direkt durch die Baustelle zu fahren und sich zwischen den Pistenschiebern und Walzen hindurchzudrängeln. Die Bauarbeiter finden das vermutlich nicht so toll, wird ihre Arbeit doch dadurch ständig zunichte gemacht. Am Abend essen wir in einem kleinen gemütlichen Restaurant in der Nähe unseres Hotels und freuen uns, dass es auch noch ehrliche Gastgeber gibt, die sich nicht an Touristen übermäßig bereichern wollen. Der ältere Herr ist sehr um seine Gäste bemüht, spricht sogar ein wenig deutsch und legt im Nebenraum auch gern mal ordentlich mit seinem Schlagzeug los.
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Montag, 27.10.
Das Göreme Freilichtmuseum gehört mit seinen zahlreichen Felsenkirchen zum Weltkulturerbe. Für zwanzig Euro Eintritt, selbstverständlich nur für Ausländer, stellen wir uns brav an jeder Kapelle an, die in den Tuffstein gehauen wurde. Die kunstvollen Malereien wurden vielfach zerkratzt, fast keine der Figuren im zugreifbaren Bereich hat noch Augen. Fotografieren ist in den Kirchen verboten, was viele Leute jedoch nicht davon abhält, es doch zu tun. Eine weitere Kapelle kann man nur gegen zusätzliche sechs Euro Eintritt besichtigen, wobei man von Einheimischen ein Drittel des Preises verlangt. Wir sind ohnehin nicht besonders angetan von diesem Ort, wo man mit Plastikgewebe und Putz restauriert und der Massentourismus jedes Ambiente zerstört. Auch der Prunk, der in mehrere Kapellen investiert wurde, während außerhalb die Menschen in einfachsten Verhältnissen lebten, ist eigentlich nicht bestaunenswert, sondern eher beschämend. Dies ist aber leider auf der Welt kein Einzelfall. Außerhalb des eingezäunten Geländes reihen sich am Hang noch zahlreiche Felsenwohnungen mit exklusivem Ausblick. Wir fahren noch ein Stück weiter zum deutlich ruhigeren Red Valley, das mit faszinierenden Felsformationen nicht nur in rot, sondern auch in grün, gelb und weiß verzaubert. Mit toller Aussicht auf einen Canyon verspeisen wir Brot und leckeren Käse, finden auf der weiteren Wanderung neben bizarren Felsformationen und alten Behausungen auch ein paar Wacholderbeeren, die natürlich den Weg in unsere Küche daheim finden. Beim Aufstieg zum Parkplatz treffen wir auch einen älteren Herren wieder, der mit Sohn und Hund unterwegs ist und sonst als Tourguide in diesem Gebiet wirkt. So ganz ohne Kartenmaterial kann man sich auf den vielen Pfaden durchaus verlaufen, auch wenn man das Ziel oben fast immer im Auge hat. Nach diesem Tag voller Sonne sind wir entsprechend müde, freuen uns auf das liebgewonnene Restaurant vom Vorabend und auf ein paar Biere, die man hier auch in einem kleinen Laden auf unserem Weg kaufen kann.
Kappadokien
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Dienstag, 28.10.
Heute erkunden wir den Süden. Abseits der Hauptroute landen wir im Örtchen Ibrahimpasa, ein verschlafenes Dorf mit einer schönen alten Steinbrücke. Von hier aus wollen wir nach Mustafapasa. Das mitgebrachte Navi, das sonst unsere Landy-Diva führt und auf Offroad-Strecken steht, schickt uns über Pisten, die immer abenteuerlicher werden, aber schöne Ausblicke bescheren. Die Straße ist bereits nahe, da führt der Weg plötzlich in einem Flussbett entlang. Wahnsinnig, wie wir sind, und natürlich zu faul zum Umdrehen, meistern wir auch diesen Abschnitt und landen wieder sicher auf Asphalt. Mustafapasa lädt auf eine kleine Rast mit Cappuccino und einem Spaziergang durch den alten Ort ein, in dem noch viele Höhlenwohnungen zu finden sind, die allerdings aufgrund eines Erdbebens nicht mehr alle intakt sind. Einige sind zugänglich, und ohne Lampe sollte man sich lieber nicht hineinwagen, wenn man nicht in einem Loch verschwinden will. Andere werden in Neubauten integriert und in schicke Hotels umfunktioniert. Ob dabei der durchlöcherte Baugrund immer beachtet wird, fragt sich anscheinend niemand. Genug der Kultur. Wir wollen noch eine kleine Wanderung unternehmen und fahren dazu nach Ayvali. Hier finden wir eine wilde und bizarre Canyonlandschaft mit alten Höhlenwohnungen, teils wilden, teils noch genutzten Acker- und Obstanbauflächen und Wegen, die abrupt enden. Wein und Äpfel wachsen hier überall und locken mit ihrer Süße zum Naschen. Unser erdachter Rundweg wird immer länger, da einige Wege sich als Sackgassen erweisen und wir uns einen Pfad durch hohes Gras und Gestrüpp schaffen müssen. Als wir fast das Nachbardorf erreicht haben, stehen wir vor einem stinkenden Bach, der wohl als Kloake des Dorfes dient. Da wollen wir auf keinen Fall einen Fuß reinsetzen, auch wenn dieser im Wanderschuh steckt. Also nehmen wir noch einen Umweg in Kauf, bis wir endlich wieder in der Zivilisation ankommen, eine Zivilisation, die zwar Müllcontainer kennt, es jedoch vorzieht, ihren Müll auf die Hänge zu schütten und bei Bedarf einfach anzuzünden. Bis zum Auto müssen wir nun auf der Straße zurücklaufen, wenn wir nicht erneut in das verwirrende Steinlabyrinth eintauchen wollen. Am Abend gehen wir noch essen, bald frischt es auf und mit den sommerlichen Temperaturen ist es erst einmal vorbei.
Kappadokien
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Mittwoch, 29.10.
Neben den vielen oberirdischen Felsbehausungen gibt es auch Städte, die unter der Erde angelegt wurden. Zwei davon besuchen wir heute. Zunächst fahren wir nach Derinkuyu, zahlen 13 Euro für ein Ticket und schon können wir in die Katakomben eintauchen. Die zahlreichen Gänge und Räume sind spärlich beleuchtet und wir laufen und kriechen fast 50 Meter in den Berg hinab. Gut, dass wir unsere Stirnlampen dabei haben. Es ist fast unvorstellbar, wie die Menschen hier gelebt haben. Allein die engen Gänge, die wir schon mit den entgegenkommenden und in unsere Richtung laufenden Besuchern teilen, lassen uns nachdenken, wie es sich hier gelebt hat, wenn noch Tiere und alles Lebensnotwendige durch das Labyrinth dieser Städte transportiert wurde. Klaustrophobisch dürften die Bewohner jedenfalls nicht veranlagt gewesen sein. Übertage nebenan steht eine armenische Basilika die aus dem Jahr 1858 stammt. Später wurde sie von griechischen Christen übernommen, bis diese den Ort verlassen mussten. Das Innere wurde leider völlig geplündert, die einst üppigen Fresken kann man noch erahnen. Vermutlich stand die Kirche seit der Vertreibung der griechischen Bevölkerung offen und wurde sowohl von Tauben als auch von kritzelnden Besuchern heimgesucht. Etwa zehn Kilometer weiter gibt es in Kaymakli noch eine unterirdische Stadt. Man vermutet, dass die beiden Städte unterirdisch miteinander verbunden waren. Diese hier ist in mystisches Licht getaucht, trotzdem ist eine eigene Lampe von Vorteil. Nachdem wir fast eine Stunde mit krummen Rücken und Kopfstößen herumgekrochen sind, freuen wir uns auch wieder über das Licht draußen. Wir umschiffen zügig die Souvenirstände, schmunzeln über ein paar Kinder, die ihre schrottreifen Spielzeuge über den Gehweg schieben, essen hervorragend in einem Straßenlokal und steigen wieder in unser Gefährt. Zum Ende des Tages gönnen wir uns noch eine Wanderung im Pigeon Valley. Auch hier haben Menschen in Felswohnungen gelebt und sich dafür ein wirklich wunderschönes Tal ausgesucht. Auf dem Heimweg kaufen wir noch ein und bleiben am Abend im Hotel, auch angesichts der kühlen Temperaturen am Abend im Gegensatz zum sonnigen Tag, den wir so gar nicht erwartet hatten.
Kappadokien
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Donnerstag, 30.10.
Am frühen Morgen schweben etliche Ballons vor unserem Fenster vorbei. Ursprünglich hatten wir auch vor, uns die Gegend von oben anzuschauen, aber die Preisgestaltung erschien uns doch recht intransparent und die günstigen Angebote laufen darauf hinaus, dass man mit 30 Leuten in einen Riesenkorb verfrachtet wird und nicht einmal eine halbe Stunde in der Luft ist. Dies bestätigt sich nun mit dem Blick vom Balkon. Die Großraumkörbe sacken mit ihrer Fracht als erste ab und die Fahrt ist vorbei. Da nutzen wir lieber Zeit und Geld, um die Gegend am Boden weiter zu erkunden und fahren nach Avanos. Oberhalb des Flusses Kizilirmak, wo einst die Altstadt war, sind viele Gebäude verfallen und werden wohl auch nie wieder aufgebaut. Ein paar Kilometer weiter besuchen wir in Özkonak noch eine der vielen unterirdischen Städte. Diese ist nicht so umfänglich für Besucher erschlossen, dafür kostet es hier auch nur 6 Euro Eintritt. Einige Gänge sind auch hier so niedrig und eng, dass man den Rücken ordentlich krumm machen muss und entgegenkommen sollte einem dort keiner. Draußen ist das Angebot recht dürftig. Wir wollen einen Kaffee trinken und bekommen statt dem bestellten Cappuccino etwas, das wie grauer Tee aussieht. Vermutlich ist es eine Melange aus Nescafé und Milch, jedenfalls ohne jegliche Note nach Kaffee und Kakao, geschweige denn eine Spur von Schaum. Wir würgen das Gebräu hinunter, das nicht einmal so billig war, und fahren weiter wieder Richtung Avanos. Unterwegs statten wir der ehemaligen Karawanserei Saruhan einen Besuch ab. Sie wurde sehr schön saniert und hin und wieder finden hier Derwischtänze statt, leider nicht heute. In Avanos essen wir am Marktplatz und schlendern nebenan über den Markt, wo hauptsächlich Textilien über den Tisch gehen, aber auch einige bunte Gemüsestände unsere Blicke reizen. Eine Händlerin lässt sich auch gerne für ein Foto ablichten. An einem anderen Stand decken wir uns mit leckeren Oliven ein und fahren wieder nach Uchisar. Von unserer mittlerweile liebgewonnenen Terrasse betrachten wir das tierische Nachtleben auf der Straße unter uns, wo sich viele Katzen und sogar ein Fuchs herumtreiben.
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Freitag, 31.10.
Etwa 75 Kilometer entfernt liegt das Örtchen Güzelyurt, wo wir ein Zimmer in einem Cave-Hotel ergattert haben. Wir beziehen ein kleines Gewölbe mit Bad und Terrasse mit Ausblick auf ein ehemaliges Flusstal. Das Auto muss am Marktplatz parken, denn in den Gassen ist es einfach zu eng. Das Hotel verteilt sich auf mehrere Höfe und wir müssen uns gut merken, wo wir abzubiegen haben, um morgen zum Frühstück zu kommen. Erstmal essen wir am Marktplatz etwas und spazieren in Richtung Klostertal. Dabei kommen wir an einer weiteren unterirdischen Stadt vorbei, die einfach so zugänglich ist. Zumindest steht die Tür offen und neugierig treten wir ein. Gut, dass wir Stirnlampen dabei haben, denn bis auf ein paar Lämpchen am Eingang ist es weiter unten stockduster. Die engen Gänge sind nichts für schwache Nerven. Wir ahnen nicht, wie tief hinab es noch gehen würde. Ein weiterer, noch niedrigerer und schmalerer Gang vor uns ist dann das Alarmsignal zum Umdrehen, ehe noch jemand die Tür verriegelt und wir hier irgendwann als Skelette gefunden werden. Wieder an der Oberfläche, folgen wir noch ein Stück der Straße, die mit einem Eingang zum Kloster endet. Da es schon später Nachmittag ist und wir vermutlich nicht alles ansehen können, sind wir nicht gewillt, noch den Eintritt zu bezahlen und laufen stattdessen einen anderen Weg steil hinauf, um ein bisschen die Aussicht zu genießen. Ungewollt landen wir so dennoch auf dem Klostergelände und können noch einen Blick in eine der kleinen Kapellen werfen. Am Abend nutzen wir den Luxus, den unser Höhlenbad bietet, steigen in den Whirlpool und freuen uns auf unserer Terrasse über die einsetzende Windstille.
Kappadokien
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Samstag, 01.11.
So ein Infekt ist lästig, vor allem im Urlaub. Dick angezogen im Bett und mit ein paar Teilen aus der Reiseapotheke versorgt, werde ich die nächsten Tage schon überstehen. Zum Frühstück müssen wir ein paar Meter laufen, aber das Angebot lohnt diesen Morgenspaziergang. Das Buffet ist reichlich gedeckt und alles sieht frisch und lecker aus. Nach dieser Stärkung wollen wir zumindest eine kleine Wanderung unternehmen und haben uns dazu das Ihlara-Tal ausgesucht. In unserer Vorstellung sollte es ein wildes Tal mit einem Trekkingweg, eingerahmt von roten Felswänden sein. In der Realität stehen wir vor einem Bezahlhäuschen und sollen als Nicht-Einheimische 15 Euro pro Person zahlen. Dafür bekommt man einen breiten begradigt angelegten Weg durchs Tal mit einigen Kapellen, die wir uns gar nicht ansehen wollten. Wir verzichten und finden stattdessen einen Weg oberhalb der Schlucht, haben tolle Einblicke ins Tal und den Abzockern ein kleines Schnäppchen geschlagen. Wir laufen bis zum mittleren Einstieg ins Tal, an dem erwartungsgemäß ebenfalls Eintritt zu zahlen wäre, und wenden uns der Straße zu. Hier gibt es einen Parkplatz, an dem der motorisierte Wanderfreund bereits eine Parkgebühr berappen darf, ohne den Hinweis auf die noch zu erwartenden Kosten für den Eintritt, der ein paar hundert Meter weiter verlangt wird. Wir sind froh, unser Auto anderweitig abgestellt zu haben. Es ist noch früher Nachmittag, also steuern wir noch einen vielversprechenden Ort an, aber auch hier wird man zur Kasse gebeten und nach dem gefühlt hundertsten Felsendorf sind wir nicht mehr bereit jedes Mal das Portemonnaie zu öffnen. Ein kleines Highlight finden wir dennoch. Völlig einsam und weitestgehend unentdeckt vom Tourismus steht die Rote Kirche wenige Kilometer hinter Güzelyurt. Einst stand sie wohl an einer wichtigen Handels- und Pilgerroute, heute vergessen im Nichts. In Güzelyurt essen wir bei einem der stets lieb lächelnden Ganoven, deren Preise stets beim Bezahlen noch steigen, auch wenn man vorab danach gefragt hat.
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Sonntag, 02.11.
Noch einmal lassen wir uns ein reichhaltiges Frühstück schmecken, tanken die ersten Sonnenstrahlen und machen uns schließlich auf den Weg zum Auto, das geparkt am Marktplatz steht. Etwa hundert Kilometer nordwestlich liegt unser nächstes Ziel, der Tuz Gölü, der größte Salzsee der Türkei. Wir haben im einzigen größeren Ort namens Sereflikochisar ein Hotelzimmer gebucht, wohl wissend, dass es nicht der Knaller wird. Zunächst wollen wir aber zum See und biegen von der Stadt in Richtung Ufer ab. Die bucklige Asphaltpiste führt geradewegs zur Salzgewinnungsanlage, hier ist kein Durchkommen. Also versuchen wir einen kurz davor abzweigenden Weg und kommen auf diesem tatsächlich zum Ufer. Hier sind wir nicht an dem auf den Hochglanzfotos bekannten Touristenhotspot, sondern völlig für uns. So können wir die Weite und Stille des Sees mit seinen weiß und rosa schillernden Salzflächen ungestört auf uns wirken lassen. Das Wasser steigt langsam an, dies macht uns ein wenig stutzig. Ob dies mit der zur gleichen Zeit mehrere hundert Kilometer entfernten erhöhten seismischen Aktivität zusammenhängt, ist nur unsere spätere Vermutung. Da der See äußerst flach ist und das Wasser immer näher kommt, möchten wir ungern in einer Salzlake versinken und beobachten den See lieber weiter vom auf einer höheren Position geparkten Auto. Man möchte diesen magischen Ort gar nicht mehr verlassen, aber wir müssen noch unser Hotel finden. Auf dem Weg kreuzt eine Schaf- und Ziegenherde unseren Weg und gerade wähnt man sich noch in dörflicher Idylle, beginnen die ersten Häuser der Stadt. Mit ein wenig einheimischer Hilfe ist das Hotel bald gefunden. Schon beim Einparken wird ein aggressiv bettelndes Kind auf uns aufmerksam und folgt uns bis in die Hotellobby. Das Zimmer ist eng und einfach, aber ein Kühlschrank musste wohl unbedingt noch hineingequetscht werden und wurde kurzerhand im Kleiderschrank deponiert. Nun ja, für eine Nacht wird es reichen. Immerhin ist es sauber. Wir sind fast im Zentrum und finden daher leicht ein Restaurant. Das Essen ist lecker und da hier auch die örtliche Polizei diniert, gehen wir davon aus, dass sich noch keiner den Magen verdorben hat. Bars oder Kneipen sucht man in der Stadt vergeblich, also verbringen wir den Abend mit Bier aus den eigenem Bestand auf dem Zimmer.
Kappadokien
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Montag, 03.11. Wir machen noch einmal Halt am See, da wo alle Touristen hinkommen. Der einzige Weg zum Ufer führt durch eine Kombination aus Souvenirshop, Delikatessenverkaufsraum und Restaurant, womit die Besuchszeiten eingeschränkt werden. Eine weite Landzunge aus Salz führt in den See und man fühlt sich wirklich wie auf einem Schneefeld. Wir gönnen uns noch einen Morgenkaffee und setzen unsere Reise fort, nördlich am See vorbei durch breite Hügel und Steppenlandschaften. Mittags erreichen wir Aksehir, finden relativ schnell das Hotel, jedoch keinen Parkplatz. Also kurven wir suchend herum und nehmen schließlich einen Platz am Fluss. Hier fallen uns die liebevoll gestalteten Nasreddin-Figuren auf, die in einem kleinen Park am Fluss die von ihm erzählten Anekdoten darstellen. Der legendäre Geschichtenerzähler Hodscha Nasreddin soll im 13./14. Jahrhundert hier gelebt haben. Das Hotel überrascht uns. Es liegt im griechischen Viertel, alle Häuser sind in einem einzigartigen Stil gebaut, mit dunklen Holzstützen und weißen Fassaden. Innen erwartet uns viel Holz, Museumsstücke, ein großes Zimmer mit schweren Schiebefenstern und ein Bad, das sich hinter der Schrankwand verbirgt. Wir machen noch einen Spaziergang, essen unterwegs und freuen uns abends einfach über unser gemütliches Zimmer mit einem schönen breiten Bett.
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Dienstag, 04.11.
Wir finden unser Auto nach einem kleinen Gepäckmarsch mit Umwegen wieder und verlassen die Stadt in Richtung Norden. Als wir an einer Ampel halten, werden wir Zeugen einer lustigen Szene aus dem Grünanlagenbau. Ein Arbeiter ackert mit einem kleinen Elektropflug die Erde um, drei Leute stehen daneben und daddeln auf ihren Handys herum. Einer von ihnen filmt den Arbeiter und alle kriegen sich nicht mehr ein vor Lachen. Man könnte meinen, einer satirischen Performance zuzuschauen. In Cay biegen wir ab, fahren an einem weiteren Salzsee vorbei, der bereits ausgetrocknet ist und nur noch eine große Salzpfanne bildet. Die Landschaft wird bergiger und interessanter, als wir hinter Dinar in Richtung Denizli weiterfahren. Die Straßen sind zumeist sehr gut ausgebaut und abgesehen von ein paar bergauf schleichenden LKW's, auf die wir wie zufällig immer im Überholverbot treffen, kommen wir gut voran. Wir haben von einem Weinladen in Denizli gelesen, für den wir gern einen kleinen Umweg einplanen, allerdings dabei mitten in den dichtesten Verkehr geraten. Der Laden liegt an einer vielbefahrenen Straße, zu der es eine kleine Parallelspur gibt, an deren Seiten man mit einigem Glück eine Parklücke findet. Nachdem wir unser Gepäck um drei gute Flaschen einheimischen Weines erweitert haben, quälen wir uns aus der mittlerweile zugestellten Parklücke und steuern Pamukkale an. Wir finden unser kleines Hotel, beziehen ein kleines Zimmer unmittelbar hinter der neben dem Pool platzierten Pumpenanlage und machen noch einen kleinen Abendspaziergang zum Fuß der berühmten Kalkfelsen. Da, wo einst das Wasser in einer aus Kalkstein geformten Rinne zum Ort floss und angenehm warm, aber milchig weiß die Pools der kleinen Hotelanlagen füllte, ist es nun trocken. Wir klettern ein Stück hinauf, um in der Abendsonne noch ein paar schöne Fotos zu bekommen, bis ein Wärter aus der Ferne droht, wir mögen dort verschwinden. Ja, die Natur gibt es nicht gratis und alle sollen gefälligst Eintritt zahlen. Auf dem Rückweg finden wir ein gutes Restaurant, essen frische Spinat-Pides mit Haydari, einem Dip aus Joghurt und frischer Minze, und trinken einen erfrischenden Ayran dazu. Beim Zahlen bekommen wir jeder noch einen kitschigen, bunten Kühlschrankmagneten als Werbegeschenk des Hauses.
Kappadokien
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Mittwoch, 05.11. Waren wir gestern noch verärgert über die Tatsache, dass man mittlerweile für jedes Stück Natur abgezockt wird, haben wir uns doch entschlossen, das Geld in die Hand zu nehmen und die 30 Euro Eintritt zu zahlen. Immerhin bekommt man damit nicht nur den Zutritt zu den Sinterterrassen, sondern auch zur antiken Stadt Hierapolis, die oberhalb des Naturspektakels liegt. Mit der Eintrittskarte erhalten wir ein paar Kopfhörer, die allein schon 10 Euro des Preises ausmachen und nicht etwa wiederverwendet werden, sondern einfach mit verkauft werden. Zunächst führt der Weg über das Kalksteinfeld steil hinauf, natürlich nur barfuß, um das weiße Gestein nicht zu verschmutzen. Bei meinem letzten Besuch 2008 hatte man bereits neue Becken angelegt, die damals aufgrund des sichtbaren Betons nicht besonders hübsch anzusehen waren. Mittlerweile sind diese vom Kalk überwachsen, rund geformt mit Stalaktiten an den Rändern und wirken überhaupt nicht mehr wie ein Fremdkörper. In diesen Becken darf man auch planschen, während man von den alten Becken, wie wir sie noch 1990 vorfanden, fast nichts mehr sieht. Damals konnten wir noch eintrittsfrei im Bach hinaufklettern und in den Terrassen ein warmes Bad nehmen. Nun fließt das Wasser an den alten Becken vorbei und man sieht sie nur noch als trockene Flächen. Die Natur formt sich ihr Gewand neu und die Felsen sind noch immer beeindruckend und voller schöner neuer Fotomotive. Oben angekommen, beginnt der zweite Teil, der Besuch der antiken Stadt Hierapolis. Für die Ausstellung wären nun die zwangsweise erworbenen Kopfhörer gedacht, um nach Scannen eines QR-Codes die Geschichte dieses Ortes auf die Ohren zu bekommen, aber wir scheitern zunächst an der Technik selbst, dann an der ohne SIM-Karte fehlenden Internetverbindung, und auch das hausinterne WLAN ist nicht nutzbar. Zum Ansehen brauchen wir zum Glück keine umständliche Technik und immerhin gibt es ein paar englische Texttafeln. Das Gelände der ehemaligen Stadt ist riesig und spätestens hier benötigt man nur noch die eigene Vorstellungskraft, um sich in das Leben der damaligen Bewohner hineinzuversetzen. Es gab Tempel, Theater und natürlich die Thermalquellen, deren kalkhaltiges Wasser die Sinterterrassen bildete und die natürlichen Wannen füllten. Ich erinnere mich, dass vor 35 Jahren hier oben eine heiße Quelle direkt aus der Erde kam, aber leider finden wir sie nicht mehr vor. Mittlerweile ist das Gelände auch umgestaltet worden, und sicher versucht man, die Quellen zu schützen. Immerhin fließt das Wasser noch, auch wenn es seinen Weg geändert hat. Auf dem Rückweg essen wir wieder im gleichen Restaurant wie am Vorabend, kaufen noch ein paar Bier ein und verbringen den Rest des Abends vor unserem Zimmer sitzend. Unsere neuen Nachbarn sind strenge Muslime, die im Gegensatz zu unserem Gastgeber kein Wort, nur böse Blicke für uns haben. Wir lächeln einfach zurück.
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Donnerstag, 06.11.
Nachdem wir uns beim Bäcker mit frischen leckeren Teilchen versorgt haben, starten wir in Richtung Meer. Die breiten ausgebauten Straßen sind zwar in einem Eins-A-Zustand, für uns leidet dabei jedoch ein wenig das Urlaubsgefühl. Hält man sich an die vorgeschriebenen Geschwindigkeiten, ist man schnell das Verkehrshindernis und hat schon mal einen lichthupenden LKW oder Bus im Nacken. So freuen wir uns, eine Nebenstrecke über die Berge zu finden, eine schmale Straße mit Kurven und schönen Aussichten. Doch die Freude hält nur kurz. Bald treffen wir auf erste Bautrupps und müssen feststellen, dass dieses Kleinod von Straße einer breiten Schneise weichen muss. Wir passieren zwar noch mühelos die Baufahrzeuge, aber dass die Straße nun eine Sackgasse für uns ist und wir am Ende weder nach links noch nach rechts weiterkommen, war nirgends angezeigt. Also müssen wir die ganze Strecke wieder zurück und auf der Hauptroute weiterfahren. In Fethiye finden wir schnell unser Hotel, das Ten Apart Hotel, beziehen ein kleines Studio im zweiten Stock mit Terrasse und Küche und freuen uns über die Gelegenheit, mal wieder selbst kochen zu können. Der Besitzer freut sich, dass wir uns entscheiden, an den gebuchten Tag noch zwei weitere zu hängen. Es ist gerade Nebensaison, nicht viel los und so hat er bereits eine syrische Flüchtlingsfamilie aufgenommen, die ihm neben Allahs Zuneigung noch ein wenig Geld in die Kasse spült, allerdings sind manch ruhesuchende Urlauber vom Trubel der Kinder und der vom Balkon wetternden Mutter weniger begeistert. Da wir ohnehin keine Poolbesucher sind und nicht im Hof auf den Liegen lümmeln wollen, kann uns dies egal sein und für nur 36 Euro pro Nacht haben wir doch ein gutes Schnäppchen gemacht. Am späten Nachmittag wandeln wir noch ein wenig am Meer, bis die Sonne untergeht. Im Supermarkt kaufen wir ordentlich ein, kochen uns etwas in unserer kleinen Küche und genießen es einfach, am Abend draußen zu sitzen.
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Freitag, 07.11.
Schon am Morgen regnet es und wir bugsieren kurzerhand den gut gedeckten Frühstückstisch ins Zimmer. So sitzen wir zwar eng, aber kuschelig im Trockenen. Bis zum Mittag hört der Regen nicht auf und so faulenzen wir, was das Zeug hält. Für den Nachmittag ist bereits wieder ein Gewitter angesagt, weshalb wir uns darauf einrichten, nur schnell in der Regenpause etwas einzukaufen. Wider Erwarten stellt sich das Unwetter nicht ein. Für größere Aktivitäten als ein Spaziergang an der Strandpromenade reicht die Zeit heute aber nicht mehr. Am Abend nutzen wir wieder den Luxus einer eigenen Küche und kochen selbst.
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 Kappadokien

Samstag, 08.11.
Der Himmel ist wieder frei, also gutes Wetter zum Wandern. Die Stadt erstreckt sich über die ganze Bucht, und wir müssen ans andere Ende. Da, wo sich die Yachten und kleinen Segelboote tummeln, finden wir am Straßenrand einen Parkplatz, nachdem wir versehentlich die geteilte Straße übersehen und entgegen der Einbahnstraße unterwegs waren. Warum uns niemand entgegen kam, erklärt sich, als wir zu Fuß weiter gehen. Ein Schiff wird gerade sehr langsam über Holzbohlen quer über die Straße ins Trockendock geschleppt. Während die Mopedfahrer bereits hinter dem Kahn im Zickzack über Kabel und anderen Unrat ihren Weg finden, heißt es für Autofahrer Geduld aufzubringen. Unser Weg beginnt genau hier. Steil führt ein schmaler Pfad den Berg hinauf, kreuzt eine Straße und mündet in einen Forstweg. Bald haben wir einen ersten Aussichtspunkt erreicht, von dem wir das Meer und die kleinen Inseln sehen. Wie fast jeder Punkt, der mit Fahrzeugen erreicht werden kann, ist auch dieser leider stark vermüllt und man fragt sich, warum die Leute es nicht schaffen, ihren Müll wieder mitzunehmen und sich stattdessen jede Woche zum Picknick zwischen diesen Hinterlassenschaften wohlfühlen. Wir steigen noch ein wenig weiter auf, bevor wir wieder auf eine Straße stoßen, zu der wir parallel auf einem Teil des lykischen Weges absteigen. Wir passieren die Höhlengräber der Lyker, die direkt in die Felswand geschlagen wurden und fast 2500 Jahre überstanden haben. Die Wanderung hat uns hungrig gemacht und wir essen in der Stadt in einem kleinen Restaurant unter den Augen eines traurigen Graupapageis, der in seinem Käfig keinen glücklichen Eindruck macht. Der Rückweg ist schnell gefunden und am Abend nutzen wir den kleinen Luxus unserer Dachterrasse.
Kappadokien
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 Kappadokien

Sonntag, 09.11.
Wir müssen zurück nach Antalya. Am Morgen hängt der Nebel in den Bergen und kämpft gegen die aufgehende Sonne. Die Geschwindigkeitsbegrenzungen werden allseits ignoriert, obwohl es in regelmäßigen Abständen Kontrollen gibt. Vielleicht sind die Kameras aber nicht immer aktiv und die Einheimischen wissen, wann sie aufs Gas drücken können. Fast werden wir Zeugen eines Unfalls, als ein Bus von der rechten Spur links blinkend abbiegen will und sich gleichzeitig ein Autofahrer mit hoher Geschwindigkeit noch durchzwängt. Haarscharf schert er um den Bus herum und schafft es tatsächlich, ohne Schrammen anzuhalten. Was dann passiert, wäre bei uns wohl undenkbar. Der Busfahrer steigt aus und umarmt den Autofahrer. Alle sind froh, dass niemand zu Schaden kam. Wir sind ebenfalls froh, unser Auto unfallfrei wieder abgeben zu können, nachdem wir es mittels Feuchttüchern noch ein wenig geputzt haben. Ein Übergabeprotokoll gibt es nicht, so müssen wir vertrauen, dass alles in Ordnung ist. Zumindest hören wir später nichts Gegenteiliges. Wir werden auch noch zur Straßenbahnhaltestelle gefahren und sind so bald wieder in Antalya. Unser Zimmer weist diesmal zur Straße und da ein Feiertag bevorsteht, nämlich der Todestag von Mustafa Kemal Atatürk, erwartet uns wohl keine ruhige Nacht. Rechtzeitig bemerken wir auch, dass unser Zimmer sich von innen nicht ohne Schlüssel öffnen lässt. Dafür kommt man von außen leicht herein. Da hat der Türbauer ganze Arbeit geleistet. Die Forderung der Behörde bezüglich des Einbaus von Brandschutztüren wurde immerhin erfüllt. Für den hoffentlich nie eintretenden Fall eines Brandes also immer gleich den Schlüssel ins Schloss stecken. Zum Fischessen suchen wir das Teras Café auf, das einen schönen Meerblick bietet und zudem mit moderaten Preisen aufwartet. Möglicherweise buhlt man hier um jüngeres Publikum, denn ein junger Kellner wedelt mit Rollerblades an die Tische, während sein älterer Kollege klassisch bedient. Ein etwas skurriles Bild. Am Abend trinken wir noch ein paar Biere in einer Bar um die Ecke und sitzen später noch mit unserem Freund und Gastgeber zusammen.
Kappadokien
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Montag, 10.11. Früh machen wir uns auf den Weg. Die Straßenbahn ist pünktlich und am Flughafen ist der Shuttlebus gerade abfahrbereit. Eigentlich viel zu früh, aber entspannt sind wir vor Ort. Die Rucksäcke müssen als Sperrgepäck reisen, die moderne Flughafen-Logistikwelt kennt eben nur rechteckige Koffer. Aber auch unser Gepäck findet sich schließlich daheim auf dem Band wieder und so endet wieder eine sehr schöne Reise.
Autorin: Ines Krüger