Radtour München – Leipzig

August – September 2026

 

 

Es steht mal wieder eine Radtour an. Diesmal wollen wir in München starten und müssen demzufolge erst einmal dorthin gelangen.

Flixbus ist nicht unbedingt meine erste Wahl zum Verreisen und diesmal geben mir die Umstände recht. Hatten wir uns darauf eingerichtet, am Sonntagmittag in den Bus zu steigen, die Fahrräder hinten anzuhängen und abends in München entspannt anzukommen, erfahren wir einen Tag vorher, dass unser Bus trotz Buchung keine Räder mitnimmt. Durch den Kopf kreisen schon die Gedanken, wie wir nun den Urlaub alternativ verbringen, da schwingt sich Uwe trotz Regen aufs Rad und stattet dem Busbüro direkt einen Besuch ab. Kurzfristig buchen wir nun um und können uns über eine durchwachte Nacht und eine Tour über Dresden mit Umsteigen freuen.

 

Sonntag, 23.08.2026

Wenn man früh morgens um 3 Uhr ein dringendes Bedürfnis hat, ist man an unserem Busbahnhof schlecht aufgehoben. Die WC's sind geschlossen und selbst im benachbarten Hauptbahnhof darf die Blase von 24 bis 6 Uhr nicht drücken. So muss man sich notgedrungen nachts in die wenigen vorhandenen Büsche schlagen. Da lob ich mir die schlechte Ausleuchtung.

Endlich fährt der Bus ein. Die Räder werden am Heck befestigt und unsere mittels Mülltüten und Riemen zu transportkonformen Gepäckstücken verpackten Radtaschen wandern in den Bauch des Busses. In Dresden haben wir eine Stunde Aufenthalt. Viel ist das nicht, wenn man das verschnürte Gepäck samt Rädern noch zum hundert Meter entfernten Abfahrtsort schleppen muss. Als wir endlich im Bus nach München sitzen, fallen uns auch gleich die Augen zu. Wir sind nun schon 4 Stunden unterwegs und noch immer in Sachsen, denn schließlich müssen wir nun erst einmal wieder in Richtung Westen, bis die Autobahn nach Süden abzweigt.

Am Mittag kommen wir endlich an und dürfen nun unser Gepäck wieder radtauglich umpacken. Auf dem Weg zu unseren Freunden, bei denen wir heute nächtigen, statten wir noch der Nymphenburg einen Kurzbesuch ab, aber die Menschenmassen sorgen kaum für Erholung. Am Ziel werfen wir nur die Sachen ab und starten gleich bei bestem Sonnenschein in den Biergarten, in München ohnehin ein Muß.

Später trifft sich der Rest der Familie daheim und wir sitzen zu fünft plus Hund am Küchentisch und legen noch etwas Hopfengetränk zur Stärkung nach.

 

 

Montag, 24.08.2026

Nach einem leckeren Frühstück packen wir unsere Sachen, kaufen noch ein wenig Proviant ein und suchen uns einen Weg aus München heraus. Nach einer Stunde sind wir an der Blutenburg, nachdem wir uns im Zickzack durch die nördlichen Randbezirke gestrampelt haben. Am Ochinger See legen wir eine Rast ein und sofort schart sich ein Haufen Enten um uns, gierig auf unser Brot schielend. Wir folgen weiter der Amper und biegen bei Fürstenfeldbruck nach Norden ab. Bevor wir den Lech erreichen, finden wir einen Platz für die Nacht an einem Feldrand. Die Landwirte sind noch bis in die Nacht in der Nachbarschaft aktiv und als es endlich ruhiger wird, hören wir vom nahegelegenen Kreisverkehr plötzlich lautes Quietschen. Tatsächlich driften dort ein paar Verrückte mit einem BMW um den Kreisel, bis der Reifen qualmt. Der Gummigeruch zieht bis zu uns hinüber. Erst als sich ein Blaulicht nähert, ziehen die Dorfdeppen ab und wir haben wieder unsere Ruhe, abgesehen von einigen vorüberziehenden Gewittern.

 

Dienstag, 25.08.2026

Wir sind früh auf und können noch in Ruhe Kaffee trinken und das Zelt abbauen, bis die ersten Regentropfen bei uns sind.

Wir starten zum Lech und folgen nun dem gleichnamigen Radweg an Augsburg vorbei, ein wenig langweilig immer geradeaus nach Donauwörth. Endlich lässt am Nachmittag auch der Regen nach und wir sind froh, die Gummiklamotten ausziehen zu können. Was wir darunter anhatten ist schweißgetränkt, aber dank Wind bald wieder getrocknet.

In der Stadt schauen wir uns kurz um, aber der Verkehr nervt uns zu sehr und so folgen wir den kleinen Zeichen zum Kanu Club, wo man auch zelten kann. Der Radweg führt zum Teil auf einer alten Bahnstrecke und durch einen ehemaligen Eisenbahntunnel zur Wörnitz, einem Zufluss zur Donau, an deren idyllischem Ufer der Bootsclub auch Radlern und Wanderern die Möglichkeit zum Zelten bietet. Einkaufen können wir im nahegelegenen Supermarkt und sind nun wieder gut versorgt für einen gemütlichen Abend. Ein Schwefelporling aus einem nachmittäglichen Fund verfeinert unser ansonsten eher karges Nudelgericht und der Wein schmeckt mit Blick auf die tierischen Wasserbewohner wie Otter, Enten und große Fische besonders gut.

 

 

Mittwoch, 26.08.2026

Wir verlassen Donauwörth und radeln entlang der Wörnitz nach Harburg, einer schönen mittelalterlichen Stadt mit Burganlage, an der sicher zur Freude der Anwohner lautstark der Verkehr der B25 vorbeirauscht. Hier müssen wir die ersten steilen Hügel erklimmen und strapazieren dabei ordentlich die Schaltungen. In Maihingen rasten wir am Kloster unter einem Walnussbaum, und auch wenn wir uns nicht die Zeit für das Museum nehmen, können wir an einem schattigen Tisch unser Picknick machen und die Toiletten nutzen, wo wir auch gleich am Waschbecken Trinkwasser auffüllen. Die Angestellten sind sehr entspannt. Es gibt nur wenige Besucher, die Hausmeister gießen ein paar Bäume, während eine Dame schon zum dritten Mal mit ein paar Flyern an uns vorbeischlendert.

Am späten Nachmittag erreichen wir Dinkelsbühl und können endlich noch etwas einkaufen. In den Dörfern auf unserer Strecke sind Läden eher Mangelware.

Zwanzig Kilometer weiter finden wir hinter einem Weiher dann auch endlich eine abgemähte Wiese für unsere Nachtruhe.

 

 

Donnerstag, 27.08.2026

Am Morgen zieht in der Ferne ein Traktor seine Kreise auf einem Feld. Zunächst scheinen wir keine Aufmerksamkeit erregt zu haben, aber als wir schon beim Packen sind, stellt uns der Bauer doch noch. Uwe nimmt ihm sogleich den Wind aus den Segeln und entschuldigt sich für unsere Anwesenheit auf seiner Wiese. Aber wo soll man auch noch ein Plätzchen für die Nacht finden, wenn jeder Quadratmeter Privatbesitz ist und offizielle Zeltmöglichkeiten nicht vorhanden sind? Die Natur wurde aufgeteilt und selbst die Tiere suchen das Weite. Die Population der Trecker geht in die Hunderte, aber weit und breit ist kein Reh zu sehen.

Wir strampeln wieder einige Meter hinauf und dürften uns über die folgenden langen Abfahrten freuen, wären wir nicht mit viel Gepäck und klassischen Felgenbremsen ausgestattet. Schnell ist eben nicht immer gut, also müssen die Bremsbeläge leiden, bevor wir es tun. So eine Straße eitert in unserem Alter auch nur sehr schwer wieder aus dem Körper raus.

Gegen Abend erreichen wir Bad Mergentheim und unsere Freunde, bei denen wir rechtzeitig vor dem nahenden Regen Unterschlupf finden. Wir freuen uns über das Wiedersehen und so eine Dusche nebst frischer Wäsche ist ja hin und wieder auch sehr angenehm. Wir haben uns viel zu erzählen und wie es an einem guten Abend sein muss, wird es auch entsprechend spät.

 

 

Freitag, 28.08.2026

Wir sind froh, während der durchziehenden Regenfront ein festes Dach über dem Kopf zu haben. Während sich für ein paar Stunden die Wolken etwas lichten, machen wir einen Stadtrundgang durch die geschichtsträchtige kleine Stadt an der Tauber. Unsere Gastgeberin gibt die Stadtführerin und zeigt uns die Altstadt, das Deutschordenschloss mit der zugehörigen Kirche und dem Schlosspark sowie dem angrenzenden Kurpark.

Am Abend lassen wir es uns kulinarisch bei Raclette, Ouzo und Rotwein gut gehen, während draußen der nächste Regenguss durchzieht.

 

 

Samstag, 29.08.2026

Nach einem gemeinsamen genüsslichen Frühstück verabschieden wir uns und starten unserer nächste Etappe.

Da sich die Stadtgründer für das Taubertal entschieden haben, müssen wir gleich zu Beginn einen ordentlichen Berg erklimmen. Schiebend und schwitzend meistern wir diesen ersten Abschnitt und radeln dann entspannt auf der etwa 200 Meter über dem Tal liegenden Hochebene nach Ochsenfurt, einer weiteren gemütlichen kleinen mittelalterlichen Stadt an der Südspitze des Mains. Nun folgen wir dem Mainradweg durch Marktbreit und Kitzingen bis Dettelbach. Die Mainschleife kürzen wir über den Berg ab, wo wir hinter einem Wäldchen neben einer Obstplantage unseren Platz für die Nacht finden. Die einzigen Besucher sind ein Transporterfahrer, bei dem wir nicht sicher sind, ob wir jetzt durch unsere Anwesenheit einen Obstdiebstahl verhindert haben oder ob es sich um den Besitzer der Anlage handelt, und ein Igel, der laut rumpelnd aus dem Wald kommt und sich sicher über einige Äpfel, die am Boden liegen, hermachen wird.

 

 

Sonntag 30.08.2026

Ist man oben auf dem Berg, will man eigentlich gar nicht erst bergab fahren, denn bald darauf kommt garantiert die nächste Steigung. Aber wir haben keine Wahl, fahren wieder hinunter zum Main und folgen ihm bis nach Schweinfurt. Bis hier ist der Weg am Fluss schön angelegt, danach müssen wir abermals bergauf.

Man könnte meinen, die ganze Welt fährt nur noch E-Bike. Nur ein älteres Paar und eine alte Dame treffen wir noch mit normalen Rädern an und alle sind sie fit genug, sich dem Trend zu widersetzen. Mit dem guten Gewissen, unserer Gesundheit etwas Gutes zu tun, strampeln wir also wieder so manchen steilen Anstieg noch oben und schaffen es, am Abend in Sulzfeld anzukommen. Wir suchen uns ein Plätzchen auf dem kleinen Campingplatz und kehren gleich noch im benachbarten Biergarten ein. Es geht doch nichts über ein prickelndes kühles Bier nach so einer Tour und da wir einmal da sind, lassen wir uns jeder auch gleich noch eine Pizza schmecken. Die Preise sind noch sehr moderat und nach einer Dusche am Abend fühlen wir uns rundum zufrieden.

 

 

Montag, 31.08.2026

Nachts hat es geregnet, und bis wir das Zelt halbwegs getrocknet haben, ist es bereits später Vormittag. Noch gibt es parallel zur Straße hin und wieder einen Radweg, der aber abrupt endet, und auch ohne Willkommensschild wissen wir, dass wir die Grenze zu Thüringen überschritten haben. Bis hierher haben es die Fördermittel noch nicht geschafft. Am Nachmittag haben wir uns nach etlichen Anstiegen bis nach Hildburghausen gestrampelt und können unsere Vorräte ein wenig auffüllen. Eine Regenwolke zwingt uns ins Gummizeug und kurz danach bringt uns die Sonne und ein weiterer Anstieg dazu, uns schnellstens der Gummihülle wieder zu entledigen.

In Weitersroda entdecken wir am Schloss ein Schild mit der Aufschrift „Camping“, also fragt Uwe nach und schon beziehen wir mit unserem Zelt den wilden Schlosshof. Hier fühlen wir uns gleich wohl und als wir den Schlossherrn Florian Kirner kennenlernen, der ein Freund Konstantin Weckers ist, sind wir sicher, dass das kein Zufall sein konnte, dass wir hier landen.

Am Abend zieht ein heftiges Gewitter knapp an uns vorbei und wir sind froh, auf einer gemütlichen Couch unterm Dach zu sitzen, während es außerhalb aus Gießkannen regnet.

 

 

Dienstag, 01.09.2026

Nach dem Regen muss das Zelt trocknen, während wir gemütlich frühstücken, noch einen kurzen Plausch mit dem Schlossherrn halten und unseren Obolus für die Nacht entrichten.

Nun beginnt der härteste Teil unserer Tour, denn wir müssen heute über den Rennsteig.

In Brattendorf nutzen wir die Gelegenheit zum Einkauf. Gegenüber fällt uns der „Eiserne Löwe“ auf, ein Gasthaus, das schon von außen zeigt, wer innen das Sagen hat. Wer Reichskriegsflaggen und Afrika-Corps-Ambiente mag, ist hier offenbar gut aufgehoben. Wir sind froh, diesen Ort wieder zu verlassen, auch wenn es nun nur noch steil bergauf geht. Über Steinbach und Frauenwald erreichen wir dann endlich in Allzunah den Rennsteig. Wir sind auf 775 m Höhe. Von hier geht es ein gutes Stück hinab und endlich erreichen wir am frühen Abend den Zeltplatz Meyersgrund.

 

 

Mittwoch, 02.09.2026

Die Nacht war kalt und entsprechend ist das Zelt am Morgen noch ziemlich nass. Es dauert fast bis zum Mittag, bis wir aufbrechen können. Wir folgen dem Ilmtal-Radweg und meist geht es nun bergab. Unser Weg führt über Ilmenau, Bad Berka, Buchfart mit seiner überdachten Holzbrücke und vielen Fachwerkhäusern, dann doch einen steilen Berg hinauf bis kurz vor Oettern. Wir sind schon eine Weile auf der Suche nach einem geeigneten Platz zum Zelten und finden ihn auf einer abgemähten Wiese in einem Waldstück. So langsam spüren wir die steilen Anstiege in den Knochen und sind froh, den Tag hier im Grünen und in Ruhe zu beenden. Natürlich wissen wir um den nahegelegenen Zeltplatz. Aber dieser reizt uns nun wirklich nicht, da man uns dort ordentlich zur Kasse bitten würde. Nicht nur, dass die Tarife schon recht hoch sind, soll der nur eine Nacht bleibende Gast auch noch einen Aufschlag zahlen. Da fühlt man sich als Radreisender doch total willkommen. Stattdessen sitzen wir nun kostenlos auf unserer Lichtung und schauen in den Sternenhimmel.

 

 

Donnerstag, 03.09.2026

Am Morgen sehen wir ein Auto über den Waldweg kommen und denken schon an unangenehmen Besuch, aber scheinbar will der Fahrer nur an der Wiese wenden. Gesehen hat er uns mit Sicherheit.

Am Abzweig zum Radweg sammeln wir noch wunderschöne Schmetterlingstrameten, die unserer heimischen Apotheke hinzugefügt werden.

In Oettern biegt der Weg vor der kleinen Dorfkirche ab und führt uns mit einem Bogen nach Oberweimar, wo uns am ehemaligen Kloster eher untypisch gekleidete Kinder entgegenkommen. Die Jungs alle mit Hemden, die Mädchen in langen Kleidern und Röcken sind Schüler der dort ansässigen Waldorfschule, die wohl ihr ganz spezielles Klientel hat.

An Weimar vorbei über Trefurt erreichen wir Niederroßla, wo eine restaurierte Wasserburg unser Interesse weckt. Die denkmalgeschützte Burg wurde von den ansässigen Bürgern wieder aufgebaut und ist nun Gemeinde- und Vereinszentrum. Der Innenhof bleibt uns leider verborgen, der Tag des offenen Denkmals ist erst in 10 Tagen.

Unterwegs nach Bad Sulza lacht uns ein Schwefelporling von einem Kirschbaum an und verschwindet kurz danach in der Satteltasche.

Regen kommt auf und dazu müssen wir uns noch einen Berg steil hinaufquälen, um zum Supermarkt zu gelangen. Immerhin können wir uns kurz mal im Trockenen aufhalten.

Bis Bad Kösen ist es nun nicht mehr weit. Da es die Gemeinde noch immer nicht geschafft hat, die Fußgängerbrücke über die Saale wieder aufzubauen, die vor 6 Jahren abgerissen wurde, müssen wir zwei Kilometer Umweg in Kauf nehmen, um zum Campingplatz zu gelangen. Die Rezeption hat bereits geschlossen, so suchen wir uns auf der Zeltwiese ein Plätzchen und verarbeiten gleich unseren Pilzschatz mit einer Buchstabensuppe zu einem warmen Abendessen.

 

 

04.09.2026

Frisch geduscht und gut gesättigt starten wir unsere letzte Etappe. Vom Zeltplatz wieder nach Bad Kösen und immer dem in der Saaleaue verlaufenden Saale-Radweg folgend, passieren wir Naumburg, queren noch einmal den Fluss, um einen Anstieg bei Leißnig zu umgehen und rasten schließlich in Weißenfels auf einen Imbiss im Park. Der Wind nimmt immer mehr zu und fast fliegen uns die Brötchen von der Parkbank. Für die Weiterfahrt haben wir ihn wenigstens im Rücken und werden nun ordentlich geschoben. Da der Weg jedoch hin und wieder einen Bogen macht, bleiben uns seitliche Böen nicht erspart und die Hände verkrampfen schon, um den Lenker zu halten. Zuletzt rollen wir auf dem Elster-Saale-Radweg über Lausen gen Leipzig und kommen rechtzeitig vor dem aufkommenden Regen glücklich zu Hause an.